Diakonie-Direktor: Ehrenamtliche brauchen mehr Anerkennung - "Woche der Diakonie" in Niedersachsen gestartet

Nachricht 04. September 2011

epd-Gespräch: Karen Miether



Hannover (epd). Der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel hat sich für eine bessere Anerkennung des Ehrenamtes ausgesprochen. So sollte es jungen Menschen bei den Bewerbungen um Ausbildungs- und Studienplätze angerechnet werden, wenn sie freiwillig tätig seien, sagte Künkel am Sonntag im epd-Gespräch zum Auftakt der "Woche der Diakonie" in Niedersachsen. Wichtig seien zudem Fortbildungsangebote. "Die Bereitschaft, solche Angebote anzunehmen, ist enorm."



Die "Woche der Diakonie" rückt in diesem Jahr das Ehrenamt in den Mittelpunkt. Noch bis zum 11. September stellen landesweit rund 1.000 Kirchengemeinden, Einrichtungen und Initiativen ihre Arbeit vor. Das gemeinsame Motto von Andachten, Festen, Themenabenden und Info-Ständen lautet "Da sein, nah sein, Mensch sein: Freiwillig engagiert." In Niedersachsen engagieren sich rund 20.000 Menschen ehrenamtlich in der Diakonie. "Die Mehrheit von ihnen sind Frauen, über 55 Jahre alt, zupackend und kreativ", sagte Künkel.



Das Spektrum ihres Einsatzes reiche vom Kinderspielkreis über den Hospizdienst bis zur Straffälligenarbeit oder der Mitarbeit im "fairen" Kaufhaus. "Die Bürger unserer spätkapitalistischen, postmodernen Gesellschaft sind nicht egoistisch", unterstrich Künkel. Nach einer Statistik von 2009 seien 41 Prozent aller Niedersachen ehrenamtlich tätig. Dabei wollten die Freiwilligen keine Lückenbüßer sein. "Die Menschen wollen Sinn und ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Dazu gehört auch, dass sie einen sichtbaren Erfolg ihrer Arbeit sehen wollen."



Am Anfang des Engagements stehe oft ein konkreter Missstand, erläuterte Künkel. Kinder auf der Straße könnten ebenso wie eine Fernseh-Nachricht den Impuls geben, etwas verbessern zu wollen. Institutionen wie die Diakonie sollten für solche Anregungen offen sein: "Die Innovationskraft geht meist von den Ehrenamtlichen aus."



Allerdings gebe es Felder, in denen noch mehr freiwilliges Engagement gebraucht werde. Dazu gehöre die Betreuung dementer Menschen ebenso wie der Einsatz für Asylsuchende, sagte Künkel. "Das sind Bereiche, die mit Fremdheitserfahrungen verbunden sind."



Die "Woche der Diakonie" in Niedersachsen schließt mit einem zentralen Gottesdienst am 11. September um 15 Uhr in Bergkirchen bei Stadthagen. Die Predigt hält der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke.



Internet: www.woche-der-diakonie.de


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