Diakonie warnt vor dem Zusammenhang zwischen wachsender Armut in Deutschland und Suchterkrankungen

Nachricht 31. August 2011

Hannover/Frankfurt/Main (epd). Eine wachsende Armut in Deutschland kann nach Ansicht des hessischen Diakonievorsitzenden Wolfgang Gern das Risiko von Suchterkrankungen erhöhen. Armut sei oft Auslöser für psychosoziale Probleme wie Depressionen, Existenzängste und Stress, sagte Gern bei einer Fachtagung zu "Sucht und Armut" am Mittwoch in Hannover. Betroffene stünden in der besonderen Versuchung, diese Probleme mit Suchtmitteln erträglicher zu machen.

Auch der Direktor des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Dr. Christoph Künkel, warnte vor dem Zusammenhang zwischen Sucht und Armut. So waren zwei Drittel der Besucher niedersächsischer ambulanter Suchthilfeeinrichtungen 2009 nicht erwerbstätig. Die Hälfte der Hilfesuchenden bezog die Arbeitslosenhilfe Hartz IV.

Künkel warnte vor allem vor der Sucht legaler Drogen wie Alkohol. "Sucht und Armut sind gesellschaftspolitische Fragen ersten Ranges." In Niedersachsen seien derzeit 154.000 Menschen alkoholkrank, bis 140.000 Personen seien abhängig von Medikamenten und bis zu 26.000 litten unter der Sucht von sogenannten Hartdrogen.

Diakoniechef Gern sagte, die Abhängigkeit von illegalen Drogen wie Heroin führe am schnellsten zu einer "allumfassenden Armut". Diese bedeute nicht nur einen materiellen Mangel, sondern auch Einschränkungen in der Gesundheit und bei sozialen Kontakten.

Um Abhängigkeiten zu verhindern, forderte Gern vor allem Politiker zur Armutsbekämpfung auf. Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich immer weiter. Rund 13 Prozent der Bevölkerung lebten in Armut, davon seien rund drei Millionen Kinder und Jugendliche. "Wachsende, vor allem materielle Armut auf dem Höhepunkt der Reichtumsentwicklung ist ein Skandal."

Zur Fachtagung der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen waren rund 120 Teilnehmer aus den Bereichen der Arbeitslosen- und Wohnungslosenhilfe aus ganz Deutschland gekommen.

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31.8.2011