Von der Weltbühne ins Kloster - Vor zehn Jahren wurde in Volkenroda der Christus-Pavillon der Expo Hannover eingeweiht - Von Karen Miether (epd)

Nachricht 18. August 2011

Volkenroda (epd). Ein wenig überragt die Klosterkirche im thüringischen Volkenroda den 3.000 Quadratmeter großen Bau an ihrer Seite: Dennoch prägt der Christus-Pavillon die Ansicht des früheren Zisterzienser-Klosters, dessen älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen. Als der futuristische Quader aus Glas und Stahl vor zehn Jahren in dem Dorf eingeweiht wurde, hatte er eine Vergangenheit auf internationaler Bühne hinter sich. Bei der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover war er mit 1,8 Millionen Besuchern das Aushängeschild der christlichen Kirchen.

Den Jahrestag der Einweihung in Volkenroda bei Mühlhausen feiern die evangelischen Landeskirchen von Hannover und Mitteldeutschland von diesem Freitag bis Sonntag unter anderem in einem Gottesdienst mit ihren Bischöfen Ralf Meister und Ilse Junkermann. Meisters Vorvorgänger Horst Hirschler erinnert sich an die Anfänge des Projektes, das heute alle Beteiligten als Erfolg sehen: "Es war ein ziemlich verrückter Gedanke."

Mitte der 1990er Jahre suchte die Landeskirche in Hannover Ideen für einen Beitrag zur ersten Weltausstellung auf deutschem Boden. Zur gleichen Zeit baute die die ökumenische Jesus-Bruderschaft aus dem hessischen Gnadental das mittelalterliche Kloster in Volkenroda weiter auf, das lange Jahre dem Verfall preisgegeben war. Sie wollte die Klosterkirche wieder um ein Langschiff ergänzen. Dafür warb sie im Kloster Loccum der hannoverschen Kirche, das Zisterziensermönche aus Volkenroda einst gegründet hatten, um Unterstützung.

"Allein für Volkenroda gibt niemand Geld. Für eine Expo-Kirche, die danach in Volkenroda steht, aber wohl! Das wäre der Knüller!" erinnert sich Hirschler an die Idee, die dann beide Projekte möglich machte. Ohne Volkenroda hätte es auch den Christus-Pavillon auf der Expo nicht gegeben, sagt der damalige Expo-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gerhard Wegner. "Man scheute sich, nur für die fünf Monate der Weltausstellung so etwas zu machen. Der Bau sollte nachhaltig sein."

Bei der Schau zur Jahrtausendwende engagierte sich Wegner zufolge die evangelische Kirche so prominent, wie bei keiner anderen Expo. Rund 16,5 Millionen Mark kostete der Pavillon, den der Hamburger Architekt Meinhard von Gerkan aus Glas, Stahl und mit Elementen aus durchscheinendem Marmor gestaltete. Mit Hilfe von Sponsoren, vor allem der Stahlindustrie gelang es, das Geld aufzubringen. Sie konnte so ein innovatives Stecksystem präsentieren, durch das sich der Christus-Pavillon leicht auf- und abbauen ließ.

"Die Kirche gehörte auf dem Marktplatz der Welt klar zu den Gewinnern", sagt Wegner, der heute das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD leitet. Die junge Bischöfin Margot Käßmann zählte zu Beginn ihrer Amtszeit zu denjenigen, die den ökumenischen Christus-Pavillon mit Leben füllten. "Die Atmosphäre war toll", schwärmt Wegner. Der Pavillon sei als Kirche wahrgenommen worden; er habe sich abgehoben und damit Anklang gefunden.

100 Schwertransporter brachten schließlich die 800 Tonnen schwere Stahlkonstruktion nach Volkenroda. Statt des Trubels der Weltausstellung mit insgesamt rund 18,1 Millionen Gästen umgibt ihn in dem Ort mit knapp 200 Einwohnern ländliche Ruhe. "Am Anfang war er für die Leute ein gewisser Fremdkörper und ein West-Import, der auch Befremden ausgelöst hat", sagt Pfarrer Albrecht Schödl vom Kloster Volkenroda. Inzwischen identifizierten sich viele mit dem Bau, in dem neben Gottesdiensten und täglichen Gebetszeiten vor allem Kulturveranstaltungen stattfinden. "Brautpaare lassen sich dort gern fotografieren."

Die Mitglieder der Jesus-Bruderschaft, die im Kloster leben, sorgen Schödl zufolge heute für eine gastfreundliche Atmosphäre. 40.000 Besucher im Jahr zählt Volkenroda, zu dem unter anderem auch ein Jugendbildungszentrum gehört, nach seinen Angaben. Geblieben sind auch die Verbindungen nach Hannover. Seit 2005 führt ein rund 300 Kilometer langer Pilgerweg von Volkenroda zum Kloster Loccum bei Nienburg. Rund 400 Pilger kommen im Jahr nach Volkenroda, sagt Schödl. "Die Wenigsten gehen aber den ganzen Weg."

Internet: www.kloster-volkenroda.de

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19.8.2011