Seelsorge und Beratung: Ansprechpartner für Jugendiche auch im Internet

Nachricht 17. August 2011

Vechta/Hamburg (epd). Nach der detaillierten Bekanntgabe der gemeinschaftlichen Selbsttötung von drei jungen Frauen im niedersächsischen Kreis Vechta hat ein Suizid-Experte die Pressearbeit der Polizei kritisiert. Unglücklicherweise seien die Umstände der Tat von den Beamten sehr ausführlich und detailliert geschildert worden, sagte der Hamburger Psychologe Georg Fiedler von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention am Mittwoch. Es bestehe die Gefahr eines Nachahmungseffektes.

Menschen, die ohnehin suizidgefährdet seien, könnten darin einen Anreiz sehen, sagte Fiedler. Der Einfluss von Medienberichten auf Suizide sei in vielen Untersuchungen nachgewiesen worden. So habe es nach der sechsteiligen Fernsehserie "Tod eines Schülers" von 1980 vermehrte Selbsttötungen von Jugendlichen gegeben.

Die katholische Erziehungsberaterin Christine Themann rief die Eltern zu großer Aufmerksamkeit auf. "Mein wichtigster Rat: Hinweise ernst nehmen, wenn ein Jugendlicher sagt, manchmal habe er keine Lust mehr zu leben", sagte die Mitarbeiterin der Caritas-Erziehungsberatung in Vechta. Äußerungen dieser Art dürften keinesfalls "abgehakt" werden.

Natürlich gehöre es zum Jugendalter dazu, mit Müttern und Vätern nicht mehr über alles zu reden. Aber die Eltern sollten nicht zulassen, dass die Beziehung abbreche. "Das heißt nicht, dass der Jugendliche das Gefühl hat, auskunftspflichtig zu sein oder interviewt zu werden", ergänzte die Expertin. Es gehe darum, in einer Atmosphäre der Offenheit zum Erzählen einzuladen.

"Allerdings muss man klar sagen, dass es sich auch um eine schwerwiegende Erkrankung handeln kann", warnte Themann. In solchen Situationen reiche das Gespräch in der Familie nicht. "Dann braucht es medizinische und therapeutische Hilfe." Auch wenn Jugendliche konkrete Gedanken zum Suizid in sich trügen, sei professionelle Hilfe angezeigt. Die könne von Erziehungsberatungsstellen, vom Hausarzt und vom Jugendamt kommen. Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie seien auch am Abend und an Wochenenden ansprechbar.

Auch der Mitbegründer der deutschlandweiten evangelischen Chatseelsorge, Pastor Johannes Neukirch aus Hannover, unterstrich die Bedeutung von kompetenten Ansprechpartnern: "Die Jugendlichen dürfen in den Chatforen im Internet nicht allein gelassen werden", forderte Neukirch, der auch Pressesprecher der hannoverschen Landeskirche ist.

Internet: www.chatseelsorge.de; www.suizidprophylaxe.de; weitere Informationen zu Beratungsangeboten auch über die Hauptstelle der Lebensberatung der Landeskirche: www.hauptstelle-hannover.de