Lutherischer Weltbund plädiert für Aufstockung der Geldmittel für Ostafrika

Nachricht 11. August 2011

Nairobi (Kenia)/Genf, 11. August 2011 (LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) werde sich dafür einsetzen, dass die für die Bekämpfung der Dürrekatastrophe am Horn von Afrika zur Verfügung gestellten Gelder aufgestockt werden, sagte Generalsekretär Pfr. Martin Junge am Ende einer viertägigen LWB-Delegationsreise in diese Region.

Mehr Gelder würden es den Ländern der Region ermöglichen, die betroffenen Menschen, zu denen auch eine grosse Zahl von SomalierInnen zählen, die sich in die Flüchtlingslager in Kenia und an andere Orten flüchten, effektiver zu unterstützen, so Junge am 3. August gegenüber MedienvertreterInnen in Nairobi.

„Wir wissen, dass, um sowohl auf die Flüchtlingsnot als auch auf die Dürre zu reagieren, auf globaler Ebene enorm viel Fundraising unternommen werden muss. Nach Angaben der UNO werden derzeit rund 1,3 Milliarden US-Dollar mehr benötigt, um auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren zu können“, erklärte Junge.

„Das klingt nach sehr viel, aber wenn Sie überlegen […], wie viel ausgegeben wurde und welche Summen die Regierungen aufbringen konnten, um das weltweite Finanz- und Bankensystem zu retten […] müsste es ein Leichtes sein, 1,3 [Milliarden] USD aufzubringen, um Menschenleben zu retten“, fügte er hinzu.

Junge leitete eine LWB-Delegation, der auch der tansanische Bischof Alex. G. Malasusa (LBW-Vizepräsident für die Region Afrika), der äthiopische Kirchenpräsidenten Pfr. Dr. Wakseyoum Idosa, die kenianischen Bischöfe Zachariah W. Kahuthu und Walter E. Obare Omwanza sowie Stabsmitglieder des Genfer Büros angehörten und die vom 31. Juli bis 3. August für einen Solidaritätsbesuch am Horn von Afrika war. Geschätzte zwölf Millionen Menschen sind von der schlimmsten Dürre der letzten 60 Jahre in dieser Region betroffen.

„Wir sehen, dass die Menschen unter der Dürre leiden. [Auf unserer Reise durch mehrere Regionen Kenias] konnten wir sehen, dass hier seit mehreren Jahren und jetzt ganz aktuell aufgrund der Dürre Hunger und Verzweiflung herrschen, und dass sich der Viehbestand, der eine Lebensgrundlage für die Menschen ist, dramatisch verringert hat“, sagte Junge.

Solidarität und Grosszügigkeit
Laut Quelle vor Ort sind Menschen in der Nähe des Flüchtlingscamps in Dadaab im Nordosten Kenias verhungert und es kommen weiterhin jeden Tag rund 1.300 vor der Dürre fliehende Menschen an. Der LWB ist für das Gesamtmanagement des Camps in Dadaab zuständig.

Mit Blick auf den Besuch der Delegation in den Flüchtlingslagern von Dadaab – Dagahaley, Hagadera und Ifo – sagte Junge: „Ich bin sehr dankbar für die Rolle, die der LWB-Weltdienst als Manager des Camps in Dadaab spielt und zusätzlich auch Teams zur Verfügung stellt, die für Bildung, Frieden und Sicherheit sorgen.“

Er lobte Kenia dafür, dass weiterhin Flüchtlinge aufgenommen würden, obwohl das Land selbst ebenfalls stark von der Dürre betroffen sei. „Diese Solidarität und Grosszügigkeit, die die kenianische Bevölkerung zeigt, ist weltweit ohne Vergleich“, betonte er.

Laut Junge seien inmitten dieser Situation jedoch auch ein kraftvolles Zeugnis und Zeichen der Hoffnung zu erkennen. Die Flüchtlinge organisierten ihre eigenen Führungspersonen für ihre Gemeinschaft. Frauen reagierten auf besondere Nöte und sind Verbindungsstellen, sagte er auf der Pressekonferenz.

Die Delegationsmitglieder sprachen auch von der dringenden Notwendigkeit, dass die Kirchen gemeinsam mit anderen Partnern über die jetzige Zeit der Notsituation hinaussehen und nachhaltige Lösungen für das Problem der Nahrungsmittelunsicherheit anbieten müssen.

Die wiederkehrenden Dürreperioden auf einem Kontinent, für den der Klimawandel negative Auswirkungen hat, und die politische Instabilität fordern eine aktive langfristige Intervention der Kirchen, betonte Bischof Malasusa, Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania.

Er fügte hinzu, dass der Besuch den Beistand der weltweiten Gemeinschaft für die kenianischen Kirchen und den unter der Dürre leidenden Menschen zum Ausdruck bringe.

Der LWB-Vizepräsident für die Region Afrika unterstich ebenfalls seine Dankbarkeit für Kenias Gastfreundschaft notleidenden Menschen gegenüber.

„Wann immer es Probleme dieser Art gibt und dann andere da sind, die einem helfen, ist es leicht, weiter zu dienen“, sagte Malasusa und fügte hinzu, dass die lutherischen Kirchen Kenia inständig bitten, das Leben der Menschen zu retten, die aufgrund von Hunger und Unsicherheit aus Somalia fliehen.

„Die Menschen fliehen an einen Ort, wo Frieden ist. Das ist für Kenia ein Friedenszeichen“, sagte er.

Bischof Obare Omwanza von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kenia sagte, dass die Situation sehr ernst sei, und berichtete, dass die Delegation im Flüchtlingscamp in Dadaab Menschen gesehen habe, die kurz davor waren, zu verhungern.

„Das ist Realität im Flüchtlingslager“, sagte Obare Omwanza, doch er fügte auch hinzu, dass die Delegation dankbar sei, dass die Regierung eingesehen habe, dass mehr Fläche für den Bau weiterer Behausungen für die neu ankommenden Flüchtlinge benötigt werde.

Frauen und Kinder
Besonders stark betroffen seien Frauen und Kinder, sagte Pfarrerin Dr. Elieshi Mungure, Afrika-Sekretärin der LWB-Abteilung für Mission und Entwicklung.

„Es ist sehr traurig, Frauen, die verletzlich, schwanger und unterernährt sind, und Kleinkinder von unter fünf Jahren in Begleitung ihrer Mütter zu sehen, die kein Essen haben“, sagte Mungure gegenüber der LWI.

Sie betonte, wie wichtig es sei, die örtlichen Gemeinschaften und Kirchen darin zu unterstützen, ihre Kapazitäten auszubauen, um mit sozialen und emotionalen Bedürfnissen in einer genderbewussten Weise umzugehen.

„Wir müssen auf die psychosozialen Bedürfnisse der Frauen in Hungergebieten und Flüchtlingslagern eingehen, weil sie durch das, was sie durchmachen mussten, traumatisiert sind“, sagte Mungure. (844 Wörter)

Von LWI-Korrespondent Fredrick Nzwili

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Lutherische Weltinformation, 11.8.2011