Mit zupackender Lust und Offenheit - Dieter Rathing wird am 28. August als Landessuperintendent in Lüneburg eingeführt / Von Karen Miether (epd)

Nachricht 10. August 2011

Lüneburg (epd). Beim Laufen hört Dieter Rathing gern Hörbücher. "Dann lese ich gleichzeitig, und der Sprachrhythmus tut mir gut", sagt der 54-Jährige. Dabei ist der schlanke Mann mit dem Schnurrbart streng mit sich. Zweimal in der Woche hat er den Sport eingeplant. "Schaffe ich das nicht, übertrage ich das in die nächste Woche." Am 28. August wird Dieter Rathing in Lüneburg als neuer evangelischer Regionalbischof eingeführt. Disziplin, Gleichmaß und langen Atem kann er an der Spitze des größten Sprengels in der hannoverschen Landeskirche gut gebrauchen.

Mit zupackender Lust an der Arbeit und kommunikativer Offenheit habe Rathing viel auf den Weg gebracht, bescheinigte der Stader Regionalbischof Hans Christian Brandy ihm bei seinem Abschied in Verden. Dort stand Rathing als Superintendent viele Jahre dem Kirchenkreis vor. In Lüneburg tritt er die Nachfolge von Hans-Hermann Jantzen an, der im März in den Ruhestand ging. Schon jetzt ist der Neue dabei, seinen Kirchenbezirk kennenzulernen. Im ersten Halbjahr möchte er alle zwölf Kirchenkreise bereisen. "Ich will ein Gefühl für die Region und ihre Menschen bekommen."

Den Herausforderungen im Sprengel ist Rathing sich dabei bewusst. So begrüßt er etwa die Beschlüsse zum Atomausstieg. Doch der Streit um das mögliche Endlager in Gorleben bleibt. "Was wir nachfolgenden Generationen zumuten, wurde in der bundespolitischen Diskussion vernachlässigt", kritisiert der künftige Landessuperintendent. "Es ging um Strompreise und Leitungen, aber nicht um den Umgang mit Atommüll." Den Pastorinnen und Pastoren im Wendland hat er zugesagt, an ihrer Seite zu sein, wenn sie beim nächsten Castor-Transport zwischen Polizei und Demonstranten vermitteln.

Als Landessuperintendent wird Rathing künftig zwischen dem Speckgürtel Hamburgs, dem Wendland, der Südheide und der Industriestadt Wolfsburg viele Kilometer zurücklegen. Beim Missionswerk in Hermannsburg und bei der Lobetalarbeit in Celle, einer der größten Behinderteneinrichtungen in Niedersachsen, hat er seinen Antrittsbesuch schon gemacht. Zu seinen Aufgaben gehört es, Pastorinnen und Pastoren zu ordinieren, Kirchen und Kapellen einzuweihen. Er führt die Dienstaufsicht und ist oberste Stimme der Landeskirche in der Region. Der Sprengel Lüneburg mit rund 640.000 Kirchenmitglieder steht für das, was er an seiner Kirche liebt: Vielfalt.

Rathing wurde in Aerzen bei Hameln geboren und studierte in Tübingen und Göttingen evangelische Theologie. In Stade war er Pastor einem sozialen Brennpunkt, in Osnabrück an der Citykirche St. Marien, in Verden gehörten neben der Domstadt auch kleine Orte mit kaum über hundert Einwohnern zu seinem Kirchenkreis. Er habe gelernt, dass der christliche Glaube unterschiedlich mit Leben erfüllt werden könne, sagt Rathing: "Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen diese Vielfalt der Kirche wahrnehmen und viele ihre Heimat finden."

Neben dem Gottesdienst ist dem Mitbegründer der Evangelischen Kreisakademie in Verden dabei die Bildungsarbeit wichtig. Als Superintendent hat der mit einer Lehrerin verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern regelmäßig Andachten für Lehrkräfte gehalten. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung dafür, junge Menschen in Traditionen einzuführen." Die Lehrer müssten für ihre oft schwere Aufgabe ermutigt werden. "Das tue ich auch zu Hause", sagt er schmunzelnd. "Und meine Frau unterstützt mich."
 

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10.8.2011