Mit Asterix und Luther: Internet-Selbsttest für angehende Theologen - Von Michael Grau (epd)

Nachricht 04. August 2011

Hannover (epd). Popsängerin Lena Meyer-Landrut (20) sorgte vor einigen Monaten mit einem ungewöhnlichen Studienwunsch für Aufsehen. "Philosophie und Theologie interessieren mich total, einfach von den Themen her", bekannte die Gewinnerin des "Eurovision Song Contest" von 2010 in einem Interview. Ob in ihr wirklich eine Theologin steckt, kann die junge Frau mit der Taizé-Taube um den Hals jetzt in Deutschlands erstem Internet-Selbsttest für Theologen feststellen. Damit können Schulabgänger anonym, kostenlos und unverbindlich herausfinden, ob sie für ein Theologiestudium geeignet sind.

Die Abteilung für Evangelische Theologie an der Leibniz Universität Hannover hat den Test vor drei Monaten ins Netz gestellt - und offenbar einen Nerv getroffen. "Es ist unglaublich, wie viele Leute da mitmachen", sagt der Doktorand Jens Wening (30), der das Angebot mit zwei Kollegen und einer Kollegin entwickelt hat. "Wir werden überlaufen." Mehr als 800 Teilnehmer haben den Test bereits zu mindestens 95 Prozent ausgefüllt, im Schnitt zehn pro Tag. Auch so mancher gestandene Pfarrer soll schon im Nachhinein unerkannt im Netz seine theologische Kompetenz überprüft haben.

Wer sich auf den halbstündigen Test einlässt, muss viel Konzentration aufbringen. Texte zum Verständnis der Bibel und der Kirchengeschichte, über Luther, zur Auseinandersetzung mit der Philosophie sowie zu Ethik und Pädagogik erfordern die volle Aufmerksamkeit. Für Auflockerung zwischendurch sorgen Asterix und Obelix: Der Test fragt an einer Stelle, welchen Wert der Comic als Quelle für die Ereignisse im Römischen Reich hat. Die volle Punktzahl erhält natürlich, wer auf der Skala Punkt fünf ankreuzt: "Völlig irrelevant."

"Wir wollen falsche Erwartungen der Studierenden korrigieren und sie mit den Erwartungen der Dozenten zusammenbringen", sagt die Religionspädagogin Christiane Rösener (42). Denn gerade an der Universität Hannover, die keine Pastoren, sondern ausschließlich Religionslehrer ausbildet, gibt es viele, die in das Fach einfach mal so aus Neugier hineinschnuppern. Die Abbrecherquote liegt mit 20 Prozent enorm hoch. Deshalb fragt der Test zu Beginn auch nach der Studienmotivation und dem kirchlichen Hintergrund der Nutzer.

Laut Rösener und Wening stechen an ihrem Institut vor allem zwei Profile von Studenten hervor. Die einen hatten bisher sehr wenig Berührung mit Kirche und Gemeinde. Andere wiederum sind so überzeugt, dass sie sich vom Studium vor allem eine Festigung ihres Glaubens erwarten. Allen aber solle klar sein: "Das Studium hat etwas mit Kirche, aber auch mit kritischer wissenschaftlicher Arbeit zu tun", sagt Religionspädagogin Rösener.

Bundesweit studieren nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) derzeit mehr als 14.600 junge Leute evangelische Theologie, davon 5.000 im Blick auf ein Pfarramt, 6.100 auf Lehramt und 3.400 in Kombination mit anderen Fächern. Rund 3.700 haben im vergangenen Jahr neu angefangen. Leipzig, Münster, Berlin und Hamburg sind dabei die beliebtesten Starter-Unis. Der Anteil der Frauen liegt inzwischen bei rund zwei Dritteln.

Eine von ihnen wird Vanessa Viehweger (18) aus Walkenried bei Osterode am Harz sein. Sie nimmt im Herbst ihr Theologiestudium in Göttingen auf - mit dem Berufsziel Pastorin. Gut, es hätte auch Biologie sein können, ihr anderes Leib- und Magenfach, wie sie sagt. "Aber ich habe gemerkt, dass mich Religion mehr reizt." Und das war ihr auch ganz ohne Internet-Test klar.

Mit der Kirche ist sie durch ihre Familie von klein auf vertraut, in ihrer Ortsgemeinde betreut sie Konfirmanden. "Und das Studium eröffnet mir Horizonte, die ich in der Gemeinde nicht haben kann." Besonders gespannt ist sie darauf, "wie man Bibeltexte auch anders interpretieren kann".

Schon jetzt winken ihr exzellente Berufschancen. "Wer in den nächsten Jahren das Studium abschließt, wird keine Engpässe bei der Einstellung spüren", sagt Oberlandeskirchenrat Michael Wöller aus Hannover. Wegen vieler anstehender Pensionierungen fürchtet er sogar einen Pastorenmangel. Doch glücklicherweise steige die Zahl der Studienanfänger mittlerweile wieder nach oben, sagt er.

Im Rückblick der vergangenen 25 Jahren ist sie allerdings deutlich gesunken: Die hannoversche Landeskirche etwa, die größte in Deutschland, hatte 1986 rund 1.300 Pfarramtsanwärter auf ihrer Liste. Heute sind es etwa 250. Noch in den 1990er Jahren musste die Kirche zahlreiche Bewerber um ein Pfarramt abweisen.

Für Wöller ist Pfarrer ein Traumberuf: "Sie haben mit Menschen von der Geburt bis zum Ende des Lebens zu tun. Sie haben zwar Pflichten, aber auch Freiheit, ihre Schwerpunkte selbst zu setzen."

Internet: www.selbsttest.zsb.uni-hannover.de
 

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4.8.2011