Lutherischer Weltbund hilft im Flüchtlingslager

Nachricht 03. August 2011

Dadaab (Kenia)/Genf, 4. August 2011 (LWI) - In der sengenden Mittagssonne läuft Abdisalan Abdi vor ein grossen Gruppe Männer hin und her, die in mehreren Reihen auf dem Boden sitzen und ihre Füsse unter einer dicken Schicht feinen Sandes begraben. Jede kleinste Bewegung wirbelt Staubwolken auf.

Abseits von den Männern sitzen Frauen, die zum Teil Babies oder Kleinkinder auf dem Arm haben und aufmerksam der Stimme Abdis lauschen, die aus einem Megafon dröhnt.

In einem somalischen Dialekt erklärt er, warum die neu im Flüchtlingslager Dagahaley eingetroffenen Flüchtlinge hier in diesem Empfangszentrum, das der Lutherische Weltbund (LWB) in dem weltgrössten Flüchtlingscamp Dadaab etwa 80 km von der kenianisch-somalischen Grenze entfernt betreibt, nach Grösse der Familien geordnet werden und warum die grössten Familien als erstes an die Reihe kommen.

Abdi ist Informationsassistent und einer der 120 Mitarbeitenden des Kenia/Dschibuti-Programms der LWB-Abteilung für Weltdienst (AWD), das den zumeist aus Somalia kommenden Flüchtlingen, die vor der schwere Dürre, dem Hunger und der wachsenden Unsicherheit auf der Flucht sind, Hilfe leistet.

Am 31. Juli 2011 lebten in Dadaab – zu dem die drei Flüchtlingslager Dagahaley, Hagadera und Ifo gehören – in einem Umkreis von 20 Km 393.189 Menschen.

Als wichtigster Implementierungspartner des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) bei der Verwaltung der Lager und der Koordinierung aller Beteiligten in Dadaab, überwacht der LWB die Empfangszentren, in denen die Flüchtlinge empfangen, registriert und in Gruppen aufgeteilt werden.

Des Weiteren werden in diesen Zentren Lebensmittelrationen für 21 Tage ausgegeben und die Neuankömmlinge mit den wichtigsten Informationen versorgt und ihr Bewusstsein für die grössten Probleme geschärft. Auch werden sie von hier in das Ifo-Lager gebracht, wo sich das zentrale Registrierungszentrum befindet.

Weitere Hilfsleistungen des LWB umfassen unter anderem die Planung und die Aufteilung sowie die Leitung der Lager und die Organisation der Sicherheit, der Unterkünfte und der Ausbildung im Lager.

„Es ist eine Aufgabe, wie eine grosse Stadt mit 400.000 Menschen zu verwalten. Die geleistete Arbeit ist nicht einfach und auch nicht immer sichtbar“, sagte LWB-Generalsekretär, Pfr. Martin Junge, gegenüber Mitarbeitenden der AWD und VertreterInnen der wichtigsten Partnerorganisationen während seines eintägigen Besuchs in Dadaab am 2. August.

„Diese Statistiken sind Anzeichen für Ihren Eifer, Ihre Liebe und Ihr Mitgefühl“, so der Generalsekretär.

Zusammen mit Junge war eine Delegation des LWB, zu der auch der tansanische Bischof Alex G. Malasusa, LWB-Vizepräsident für die Region Afrika, der äthiopische Kirchenpräsident Pfr. Dr. Wakseyoum Idosa, die kenianischen Bischöfe Zachariah W. Kahuthu und Walter E. Obare Omwanza, sowie Mitarbeitende des LWB-Sekretariats in Genf gehörten, vom 31. Juli bis 3. August auf Solidaritätsbesuch in dem Flüchtlingslager in Dadaab. Geschätzte 12 Millionen Menschen sind von einer der schwersten Dürrekatastrophen in der Region in den letzten 60 Jahren betroffen.

Menschenwürde
Malasusa überbrachte Grüsse des LWB-Präsidenten, Bischof Dr. Munib A. Younan, und lobte die Mitarbeitenden für die Hilfe, die sie den notleidenden Menschen leisten. „Wir [der LWB] dienen, weil wir Gnade empfangen. Und dies ist eine gute Gelegenheit, ungeachtet unseres Glaubens zusammenzuarbeiten“, betonte er.

Der LWB-Generalsekretär lobte die Mitarbeitenden ausdrücklich für ihr anhaltendes Engagement in Dadaab, wo zwei Herausforderungen gleichzeitig zu meistern sind: die Flüchtlinge, die schon lange hier sind, einerseits und die aktuelle Notsituation andererseits.

Er sagte, die Arbeit in den Flüchtlingslagern unterstreiche das langjährige Engagement des LWB für Flüchtlinge, in dem er auch sein ausgeprägtes Gespür für die Menschenwürde einer jeden Person und den notwendigen Respekt für kulturelle und religiöse Vielfalt unter Beweis stelle.

Junge wies darauf hin, dass während Flüchtlinge oft als Menschen beschrieben werden, „die nur sehr wenig oder gar nichts haben“, grösserer Wert darauf gelegt werden sollte, die Menschenwürde einer jeden Person anzuerkennen.

„Sie kommen nicht mit nichts. Jeder Mensch hat Würde und diese Würde muss geachtet werden, da sie die Verbindung zwischen uns ist. Es geht nicht darum, wie viel wir haben, sondern darum, wer wir sind.“

Sicherer Hafen
Junge dankte auch den VertreterInnen der kenianischen Regierung für die Unterstützung, die Kenia als Aufnahmestaat leiste.

Er erinnerte an ein Treffen mit VertreterInnen des UNHCR in Nairobi und betonte, dass es zwar praktischer sei, den Menschen direkt vor Ort zu helfen, dass der LWB in einer Notsituation, in der die Menschen bis zu 1.000 Km zu Fuss zurückgelegt hätten, um einen sicheren Hafen zu erreichen, „dankbar ist, dass wir sie dort empfangen können, wo wir ihnen helfen können“.

Die Grenzen der Belastbarkeit seien erreicht, aber die Einstellung, den Nächsten zu begegnen, sei gestärkt, fügte er hinzu.

In der Tat berichten viele der in den Lagern neu eingetroffenen Flüchtlinge von der gefährlichen Reise aus dem Südsudan hierher. Die 21-jährige Bishara Abdi, ein Mutter von fünf Kindern im Alter von neun Monaten bis vier Jahre, erzählt, dass sie mit ihrer jungen Familie 20 Tage zu Fuss unterwegs gewesen sei, und hofft, dass auch ihr Mann bald wieder bei ihnen sein wird.

Der Generalsekretär dankte auch den Führungspersonen der Bevölkerung vor Ort, die die Flüchtlinge im Flüchtlingscamp Dadaab begleite sei dieses vor gut 20 Jahren eingerichtet wurde.

Anne Wangari, die für das Gebiet zuständige Koordinatorin des LWB, erzählte dem Generalsekretär, wie die Bevölkerung vor Ort, die ebenfalls stark von der Dürre betroffen ist, neu eintreffenden Flüchtlingen durch ihre religiösen Führungspersonen kürzlich Kleidung, Nahrungsmittel und Sandalen zukommen lies.

Teil der Delegation waren auch Mitarbeitende des LWB-Sekretariats in Genf: AWD-Direktor Pfr. Eberhard Hitzler, die Interimsdirektorin des Büros für Kommunikationsdienste (BKD), Pauline Mumia, und die Gebietsreferentin für die Region Afrika der Abteilung für Mission und Entwicklung (AME), Pfarrerin Dr. Elieshi Mungure. (859 Wörter)

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Lutherische Weltinformation (LWI), 4.8.2011