Leitender Theologe de Vries ruft nach Attentaten in Norwegen zu Wachsamkeit auf

Nachricht 30. Juli 2011

Hannover (epd). Der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, hat nach den Attentaten in Norwegen zu Wachsamkeit aufgerufen, wenn "Menschen sich in politische oder religiöse Ideen verrennen". Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden sowie Machtfantasien könnten zum Nährboden für Hass, Gewalt, Terror und Mord werden, schreibt der leitende Theologe in der "Evangelischen Zeitung", die am Wochenende in Hannover und Hamburg erschienen ist.

Fundamentalistisches Denken sei kompromisslos, vertrage keine offenen Fragen, verstehe Toleranz als Schwäche und sehe darin häufig die Ursache für alles Böse: "Es gibt nur Gute und Böse, Gläubige und Ungläubige", schreibt de Vries. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, den Fundamentalismus differenziert zu betrachten. Seit einiger Zeit werde der Begriff gleichermaßen für konservative religiöse Phänomene wie für gewalttätige Gruppen, Terroristen und jetzt auch für den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik angewendet.

Für den religiösen Fundamentalismus, der sich vor mehr als 100 Jahren in den USA entwickelt habe, sei die Irrtumslosigkeit der Bibel kennzeichnend. Dazu gehöre auch, sowohl in Glaubensfragen als auch in Geschichte und Naturwissenschaft von ihrer wortwörtlichen Richtigkeit überzeugt zu sein. Aber die meisten Menschen, die die Bibel wörtlich nähmen und sich selbst als Evangelikale oder Pietisten bezeichneten, seien keine Fundamentalisten in dem Sinn, wie er zurzeit von den Medien gebraucht werde.

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30.7.2011