Der Entertainer aus dem Kirchenzelt - 50 Jahre "Kirche unterwegs": Diakon Bernd Knobloch hat der Urlauberseelsorge einen eigenen Stempel aufgedrückt / Von Karen Miether (epd)

Nachricht 28. Juli 2011

Wietzendorf/Kr. Soltau-Fallingbostel (epd). Im Kirchenzelt auf dem "Südsee Camp" schlägt der evangelische Urlauberseelsorger Bernd Knobloch die Gitarre an. Für das Lied vom Clown hat er sich eine knallgrüne Perücke und eine rote Nase aufgesetzt. "Er schien sich überhaupt nicht zu genieren", singt der 58-Jährige und bringt damit fast 200 Kinder zum Kichern und Klatschen. Auf dem Campingplatz in der Lüneburger Heide ist die "Kirche unterwegs" immer gut besucht.

Als erste Landeskirche in Deutschland feiert Hannover an diesem Sonntag auf vielen Campingplätzen zwischen Heide und Nordsee das 50-jährige Bestehen der Seelsorge unter Campern. Auf dem "Südsee Camp" in Wietzendorf bei Soltau wird dazu Landesbischof Ralf Meister erwartet. Dort organisieren immerhin schon seit 40 Jahren zumeist Ehrenamtliche die kirchlichen Angebote für die Gäste. Diakon Knobloch leitet die Arbeit im Kirchenkreis Soltau seit 17 Jahren und hat ihr einen eigenen Stempel aufgedrückt.

Beim "Treff für Kids" und den abendlichen "Gute-Nacht-Geschichten" wird das Zelt für den Kirchenmann zur Bühne. Dort singt er Hits über den Dackel Waldemar oder Gottes Liebe. Für ein Geburtstagskind im Publikum knotet er minutenschnell eine Krone aus Luftballons. Wie ein Quizmaster stellt er Fragen etwa zu Old Shatterhand, Supermann oder zur biblischen Bergpredigt. "Eins, zwei oder drei. Ihr müsst entscheiden, welche Antwort richtig ist."

Unterstützt von Helfern und seiner Familie erreicht er so an 210 Tagen rund 40.000 Gäste pro Saison - und manche immer wieder. Der achtjährige Daniel Jäger aus Thüringen erzählt noch nach zwei Jahren begeistert von einem Puppen-Theaterstück. "Da war eine Giraffe auf der Arche Noah, die war seekrank und ganz grün." Viele der Ehrenamtlichen haben die "Kirche unterwegs" selbst als Urlauber kennengelernt. Anja Hannappel aus Reinfeld bei Hamburg wechselte vor zehn Jahren auf die Seite der Helfer. "Dass Bernd das schon so lange macht, denkt man gar nicht", sagt sie. "Er ist so spontan und mit Energie dabei. Er nimmt die Kinder ernst."

Für den gelernten Landwirt ist die Urlauberseelsorge die dritte Station, seit er sich aus christlicher Überzeugung zum Diakon ausbilden ließ, anstatt den elterlichen Hof zu übernehmen. Und obwohl die Finanzierung seiner Stelle über das kommende Jahr hinaus unsicher ist, kann er sich nichts anderes vorstellen. "Wir haben hier Menschen in der Mitte des Lebens. Es kommen Eltern, die mit ihren Kindern etwas unternehmen wollen. Das findet man anderswo selten."

Immer wieder ergeben sich im Zelt Gespräche. Über Ballontricks, die Kirchengemeinde zu Hause und manchmal über fast Unaussprechliches. "Wenn man Menschen so lange begleitet, gibt es auch Todesfälle. Wir haben zum Beispiel einem Mädchen noch längere Zeit geschrieben, nachdem ihr Vater plötzlich gestorben war", sagt Knobloch. Selbst, wenn er Lieder wie "Hallo, Hallo, Hallo" wohl schon Hunderte Male gesungen hat, langweilig wird sein Job nie, beteuert der Diakon. "Man muss Menschen mögen. Menschen können anstrengend sein, aber sie sind nie langweilig."

Internet: www.kirche-unterwegs-ssc.de

28.7.2011