Diakonie besorgt um Zukunft der Jugendwerkstätten

Nachricht 27. Juli 2011

Hannover (epd). Die Diakonie in Niedersachsen ist besorgt über die Zukunft der Jugendwerkstätten. Ein für April 2012 geplantes Gesetz gefährde die Existenz der Einrichtungen, sagte der stellvertretende hannoversche Diakonie-Direktor Jörg Antoine am Mittwoch. Die Werkstätten seien für sozial benachteiligte junge Menschen oft die einzige Chance auf einen Einstieg ins Berufsleben.

"Wenn wir uns nicht länger ausreichend um diese Jugendlichen kümmern, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Maschen der Gesellschaft fallen", betonte Antoine. Nach den Vorgaben des geplanten Gesetzes könne die Diakonie das Personal dafür nicht halten.

Die Diakonie kritisierte, dass jeder Teilnehmer am Angebot der Werkstätten künftig nur noch eine maximale Förderpauschale von bis zu 150 Euro vom Bund erhalten solle. Bislang werde die Höhe der Pauschale vom Job-Center vor Ort festgelegt und orientiere sich an den tatsächlichen Kosten, die wesentlich höher lägen. Die künftige Pauschale sei viel zu gering.

Auch dass die Jugendlichen künftig nicht mehr als Ein-Euro-Jobber beschäftigt werden sollen, werde die Lage einschneidend verschlechtern. "Es würde ihnen an Anerkennung fehlen", sagte Rudolf Schulz, Geschäftsführer der diakonischen Jugendwerkstatt "Pro Beruf" in Hannover. Die jungen Leute arbeiteten dann nur noch in einer Art Beschäftigungstherapie. "Wenn sie aber keinen Nutzen ihrer Arbeit für den Kunden sehen können, wird ihnen die Motivation entzogen."

Landesweit arbeiten nach Diakonie-Angaben rund 5.400 Jugendliche in 103 Jugendwerkstätten. Die Diakonie der hannoverschen Landeskirche qualifiziert in 33 Jugendwerkstätten mehr als 2.200 Jugendliche. Viele von ihnen haben keinen Schulabschluss, sind straffällig geworden oder haben Drogenprobleme. Nach Diakonie-Angaben erhalten fast 70 Prozent der Jugendlichen nach ihrer Zeit in der Jugendwerkstatt einen festen Job oder eine weitere Qualifizierungsmaßnahme.
 

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27.7.2011