Hannoverscher Superintendent Höflich befürchtet Ende von Jugendwerkstätten

Nachricht 25. Juli 2011

Hannover (epd). Protest gegen Kürzungspläne der Bundesregierung bei den Jugendwerkstätten:  "Wenn das der Bundestag beschließt, wird es in Niedersachsen zu einem massiven Sterben der Werkstätten kommen", sagte der hannoversche Superintendent Thomas Höflich am Montag dem epd. Nur einige große Einrichtungen könnten dann noch überleben.

Nach den Plänen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sollen Teilnehmer für Förderkurse in einer Jugendwerkstatt ab April 2012 von den Job-Centern nur noch höchstens 150 Euro statt wie bisher bis zu 450 Euro im Monat erhalten. Ein Platz koste aber rund 850 bis 900 Euro. Etwa die Hälfte könne die Werkstatt selbst erwirtschaften oder durch Drittmittel einwerben. Werde die Lücke aber übermäßig groß, könne sie der Träger nicht mehr schließen: "Dann bricht die Finanzierung zusammen."

In den Werkstätten werden arbeitslose Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet. Viele haben keinen Schulabschluss, sind straffällig geworden oder haben Drogenprobleme. Landesweit arbeiten rund 5.400 Jugendliche in 103 Einrichtungen. Die Diakonie der hannoverschen Landeskirche qualifiziert in 33 Jugendwerkstätten mehr als 2.200 Jugendliche.

Höflich appellierte an die Ministerin, die in Hannover ihren Wahlkreis hat, die Pläne zurückzunehmen, und lud sie zu einem Besuch in der Jugendwerkstatt des Stadtkirchenverbandes ein. In einem Brief wendet er sich auch an Bundespräsident Christian Wulff, der die Werkstatt vor kurzem bereits besucht hatte. "Wir brauchen jeden Jugendlichen", sagte der Superintendent. "Wenn wir die nicht mehr fördern können, haben sie keine Chance mehr."

Nach Diakonie-Angaben erhalten fast 70 Prozent der Jugendlichen nach ihrer Zeit in der Jugendwerkstatt einen festen Job oder eine weitere Qualifizierungsmaßnahme. Zahle der Bund weniger für die Jugendwerkstätten, gebe es auch weniger Geld aus dem Europäischen Sozialfonds, der zweiten wichtigen Finanzquelle für die Werkstätten, hieß es. Beide Geldtöpfe seien über eine Co-Finanzierung aneinander gekoppelt.

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25.7.2011