Afrika-Expertin fürchtet wachsenden Druck auf Christen im Nordsudan

Nachricht 14. Juli 2011

Alfeld/Kr. Hildesheim (epd). Nach der Unabhängigkeit des Südsudan wird sich die Lage der christlichen Minderheiten im muslimisch geprägten Nordsudan nach Ansicht der Sudan-Expertin Marina Peter aus Alfeld verschärfen. "Wir befürchten, dass die Christen unter ganz erheblichen Druck geraten werden", sagte Peter in einem Interview des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen für Radio ffn. Der Südsudan ist seit dem vergangenen Wochenende ein unabhängiger Staat. Peter arbeitet für das "Sudan Ökumenische Forum" und vermittelt zwischen Konfliktparteien.

Die nordsudanesische Regierung gehe davon aus, dass alle Christen aus dem Südsudan das Land in den nächsten neun Monaten in Richtung ihrer Heimat verlassen werden. Sie rechne damit dass im Norden dann eine rein muslimische Bevölkerung bestehe, sagte Peter. Dann solle ein muslimischer Staat nach dem islamischen Recht, der Scharia, entstehen. "Der Präsident hat schon angekündigt, dass die neue Verfassung nicht mehr die Religionsfreiheit garantieren und die kulturelle Vielfalt nicht mehr anerkennen wird."

Im Norden lebten aber auch traditionell christliche Minderheiten, die dort bleiben wollten. Dies seien vor allem Kopten, aber auch Katholiken und Anglikaner. "Wir befürchten, dass es nicht mehr erlaubt sein wird, Kirchen zu bauen", sagte Peter. Es drohten Enteignungen von Kirchen, Häusern und Grundstücken. "Wir haben sogar Angst, dass einige Leute verhaftet werden wie schon in der Vergangenheit." Die internationale Gemeinschaft müsse darum Druck auf den Nordsudan ausüben, damit es hier zu demokratischen Veränderungen komme. Vor allem müsse die kulturelle Vielfalt garantiert werden wie seit 2005 eigentlich vorgesehen.

Die Christen im Südsudan begrüßten den neuen säkularen Staat, berichtete Peter. "Sie sind natürlich froh, weil sie jahrelang darunter gelitten haben, dass die Regierung ein Konzept der Islamisierung und auch der Arabisierung verfolgte. Die Kirchen müssten ihre Rolle in dem religionsneutralen Staat aber erst noch finden. Peter befindet sich zurzeit erneut im Sudan. Ihre Stelle wird vom Evangelischen Entwicklungsdienst finanziert.

Hierzu verbreitet epd auch den Korrespondentenbericht "Kommunikatorin für den Frieden - Seit mehr als zwei Jahrzehnten vermittelt Marina Peter zwischen den verfeindeten Lagern im Sudan"

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14.7.2011