Meister: Ländliche Armut ist wichtige Aufgabe für Kirche - Landesbischof hundert Tage im Amt - epd-Gespräch: Michael Grau

Nachricht 09. Juli 2011

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht in der ländlichen Armut eine große Herausforderung für die Kirche. Armut sehe auf dem Land anders aus als in der Großstadt, sagte er am Sonntag im epd-Gespräch: "Es gibt eine Scham, das zuzugeben in der überschaubaren Situation des Dorfes." Armut spiele sich hier oft hinter vorgezogenen Gardinen ab. Die Kirche müsse hier durch soziale Hilfen, aber auch seelsorgerlich Beistand leisten.

Meister ist am 9. Juli hundert Tage im Amt. Er steht seit April als Nachfolger von Margot Käßmann an der Spitze der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mit knapp drei Millionen Mitglieder größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Ende März war er in der Marktkirche in Hannover feierlich in sein neues Amt eingeführt worden.

Der frühere Berliner Generalsuperintendent besuchte seither elf von 56 hannoverschen Kirchenkreisen, darunter vier längs der Elbe. Besonders beeindruckt sei er vom ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen, sagte er: "Die Kirche ist lebendig auf dem Land. Die Menschen sagen: Das ist meine Kirche, dazu stehe ich." So habe er bei einem Besuch zufällig einen Ruheständler getroffen, der sich als ehrenamtlicher Küster jeden Tag hingebungsvoll um eine verlässlich geöffnete Dorfkirche kümmere.

Allerdings sehe er auch Traditionsabbrüche: "Menschen, die seit vielen Generationen in ländlichen Kulturen leben, fragen sich, ob es auf dem Land noch Zukunft gibt." Ihre Kinder zögen fort, und kaum einer ziehe hinzu. So höre er als Bischof oft die Bitte: "Lasst uns auf dem Dorf nicht allein!" Er sei neugierig auf die Arbeit im ländlichen Raum, sagte der aus Hamburg stammende Theologe, der bis dahin eher in Großstädten arbeitete. Vor seiner Zeit in Berlin war er Propst in Lübeck, Rundfunkpastor in Kiel und Hochschulassistent in Hamburg.

Kirchenaustritte seien "eine kritische Anfrage an uns als Kirche", sagte der neue Bischof. Er sehe aber auch viele "vitalisierende Elemente" im kirchlichen Leben. Dazu gehörten die zahlreichen Tauffeste in diesem Jahr sowie Glaubenskurse für kirchenferne Menschen.

Zudem bewege ihn die Arbeitsbelastung der Kirchen-Mitarbeiter, berichtete Meister: "Ich erlebe alle Haupt- und Ehrenamtlichen bis an die Grenzen engagiert." Er sehe es auch als bischöfliche Aufgabe an, die Belastung so zu organisieren, "dass wir mit Lust und Freude unsere Arbeit tun können".

Internet: www.landesbischof-hannovers.de

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9.7.2011