Lutherisch-orthodoxe Kommission bekräftigt Engagement für die Einheit der Kirche

Nachricht 05. Juli 2011

Genf, 5. Juli 2011 (LWI) – Die Gemeinsame lutherisch-orthodoxe Kommission hat ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Zu ihrer ersten Tagung war sie 1981 in Espoo (Finnland) zusammengetreten. Bei einer von den Ausschussmitgliedern vorgenommenen Evaluierung im Rahmen ihrer 15. Plenartagung in der Lutherstadt Wittenberg (Deutschland) würdigten beide Seiten die Arbeit der Dialoggruppe und bekräftigten das Engagement für die Einheit der Kirche.

Eine Veröffentlichung, die die 12 von der Kommission im Lauf der Jahre erarbeiteten Erklärungen enthalten wird, ist in Planung.

Die Kommission setzt sich zusammen aus VertreterInnen des Lutherischen Weltbundes (LWB) sowie orthodoxer Kirchen aus aller Welt unter Federführung des Ökumenischen Patriarchats. Derzeit steht die Kommission unter dem Vorsitz von Bischof Dr. Donald J. McCoid (Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika) und S. E. Metropolit Dr. Gennadios von Sassima (Ökumenisches Patriarchat).

Bei der Tagung in Wittenberg, deren Gastgeber der LWB war, brachten die Kommissionsmitglieder eindringlich „ihren Wunsch und ihre Bereitschaft zur Fortführung des Dialogs“ sowie ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, „für den Zuwachs an Verständnis, der zu vielen Themen erreicht wurde“. Sie bekräftigten erneut das umfassendere Mandat, das 1981 beschlossen worden war: „den beiden Kirchentraditionen Wege aufzuzeigen zu ‚ Konvergenz, voller Kirchengemeinschaft und gegenseitiger Anerkennung’“, so das gemeinsame Kommuniqué der Tagung, die vom 31. Mai bis 7. Juni stattfand.

Neben den Feierlichkeiten anlässlich des Dialogjubiläums beendete die Kommission die Arbeit an der gemeinsamen Erklärung unter dem Titel „Das Mysterium der Kirche: Wesen, Merkmale und Mission der Kirche“, in die die Arbeit zweier Vorbereitungstagungen – 2009 in Island und 2010 in Bethlehem – eingeflossen ist.

Im Rahmen eines Abendempfangs dankte LWB-Generalsekretär Pfr. Martin Junge der Kommission für ihre langjährige, engagierte Arbeit und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass Orthodoxe und LutheranerInnen „sich der Einheit weiter annähern mögen“.

Seine Allheiligkeit, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios, übersandte eine Botschaft mit Segenswünschen und Fürbitten an die Tagung, einschliesslich seiner herzlichsten Wünsche „für eine gute Weiterarbeit, bis wir zur Ehre Gottes die Einheit im Glauben erlangen“.

 

Auf orthodoxer Seite ergab die Evaluierung unter anderem die Bitte an die lutherischen Kommissionsmitglieder, ihren Kirchen die Besorgnis der orthodoxen Gesprächspartner zu vermitteln hinsichtlich der„möglicherweise ernsten Folgen für den Dialog, die sich ergeben aus der weit verbreiteten lutherischen Praxis der Frauenordination und, in jüngster Zeit, aus den von einigen lutherischen Kirchen getroffenen Entscheidungen im Blick auf Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen“.

Die gemeinsame Erklärung der Wittenberger Tagung befasst sich mit dem Wesen der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sowie den folgenden Fragestellungen zur Mission der Kirche: Mission und Einheit der Kirche, Mission als Zeugnis und Verkündigung, Mission und Diakonie, die Problembereiche Proselytismus und Streben nach Vorherrschaft.

Die Erklärung vertritt die Position, dass die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus Taten der Liebe voraussetzt: „Lutheraner[Innen] und Orthodoxe verkündigen die frohe Botschaft vom Reich Gottes, wenn sie sich ihren Nächsten und deren Nöten zuwenden. Wir sollen für alle Notleidenden gleichermassen sorgen, ohne Rücksicht auf ihre Religion, Hautfarbe oder Kultur.“

Weiter fordert die Erklärung dazu auf, eine konzertierte Anstrengung zu unternehmen, um das Evangelium den zwei Dritteln der Weltbevölkerung zu verkündigen, die nicht ChristInnen sind, mahnt aber, dies müsse „für Christus und in Christus“ geschehen, daher dürfe keinerlei Zwang ausgeübt werden.

Dr. Kathryn Johnson, Assistierende Generalsekretärin des LWB für Ökumenische Angelegenheiten, erklärte, sie hoffe, dass der fortgesetzte Dialog mit den Orthodoxen Möglichkeiten eröffnen werde, gemeinsam Gottes Liebe für die Welt sichtbar zu machen.

„Als orthodoxe und lutherische Christinnen und Christen stellen wir fest, dass wir viel gemeinsam haben – uns einen die zentralen Bekenntnisse unseres christlichen Glaubens und unsere Kirchen stehen in vielen Teilen der Welt vor gemeinsamen Herausforderungen. Es ist für beide Traditionen entscheidend, dass wir in den Beziehungen zueinander weiter wachsen“, so Johnson, Co-Sekretärin der Kommission.

2012 wird die nächste Vorbereitungstagung der Kommission stattfinden. Als Thema der von der orthodoxen Seite auszurichtenden Tagung wurde festgelegt: „Das Verständnis von Amt/Priestertum im Licht der Heiligen Schrift und der frühen Kirche“.

Das Kommuniqué und die gemeinsame Erklärung in englischer Sprache können Sie hier herunterladen: http://www.lutheranworld.org/lwf/index.php/lutheran-orthodox-wittenberg-2011.html Eine deutsche Übersetzung der gemeinsamen Erklärung wird in Kürze zur Verfügung stehen.

 

Der LWB ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegründet, zählt er inzwischen 145 Mitgliedskirchen, denen rund 70 Millionen ChristInnen in 79 Ländern weltweit angehören. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. ökumenische und interreligiöse Beziehungen, Theologie, humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit. Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz).

5.7.2011

Lutherische Welt Information (LWI)