Gericht weist Klage gegen zu laute Orgelmusik endgültig ab

Nachricht 29. Juni 2011

Celle/Verden (epd). Die Orgelmusik im Verdener Dom bei Bremen ist nach Auffassung des Oberlandesgerichtes Celle nicht zu laut und beeinträchtigt die Lebensqualität der Anwohner "nicht wesentlich". Mit diesem Urteil wies das Gericht am Mittwoch die Zivilklage einer Nachbarin endgültig ab und bestätigte in zweiter Instanz den Spruch des Verdener Landgerichtes aus dem November 2009. Ein Sachverständiger hatte den Lärmpegel auf dem Grundstück der Klägerin gemessen und kam zu dem Schluss, die Lautstärke der Orgel müsse hingenommen werden (AZ: 4 U 199/09).

Die Klägerin Elisabeth Beckmann lebt seit 1972 direkt neben dem Dom, moniert aber, dass sich die Orgelklänge nach ihrem Empfinden in den zurückliegenden Jahren "unzumutbar" gesteigert hätten. Sie empfinde die Musik als penetrant, traurig und dröhnend. Die Musik im Garten, beim Lesen, "das reißt mich einfach runter, da kann ich nicht fröhlich empfinden", sagte sie.

Orgeln und Posaunen würden ihr selbst dann zusetzen, wenn sie zu Ohropax greife, klagte die pensionierte Lehrerin. Das Oberlandesgericht sollte der Musik nun einen Schalldämpfer aufsetzen. Instrumente sollten nach dem Willen von Beckmann nur noch so laut gespielt, Chorstücke nur noch so verhalten geprobt werden, dass kein Ton nach außen dringt.

Darauf habe die Klägerin aber keinen Anspruch, urteilte der 4. Zivilsenat des OLG Celle. Vielmehr müssten "unwesentliche" Lärmbeeinträchtigungen wie die am Verdener Dom hingenommen werden. Der Senat habe sich außerdem davon überzeugt, dass über die Einhaltung der geltenden Lärm-Grenzwerte hinaus die Geräusche auch nicht besonders unangenehm seien. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Der massige Dom ist nicht nur in seiner baulichen Erscheinung das unbestrittene Zentrum der niedersächsischen Kreisstadt Verden. Auch kulturell ist die Hallenkirche, 1490 eingeweiht, seit langem das Herz der Region. In ihrer über fünfhundertjährigen Geschichte hat Musik stets eine wichtige Rolle gespielt. Quellen aus dem Ende des 13. Jahrhunderts belegen bereits die Existenz einer Kantorei. Heute gibt es im Dom fünf Orgeln - vom kleinen Instrument mit wenigen Pfeifen bis zur großen, spätromantischen Orgel auf der Westempore mit 51 Registern. Immer wieder locken große Konzerte Gäste auch von weither in den gotischen Sakralbau.

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29.6.11