Diakonie: Start des Bundesfreiwilligendienstes verpatzt - Direktor Künkel kritisiert unklare Rechtslage

Nachricht 29. Juni 2011

Hannover (epd). Der Start des neuen Bundesfreiwilligendienstes zum 1. Juli ist nach Ansicht der Diakonie in Niedersachsen verpatzt. "Die Bundesregierung vertut eine enorme Chance, gesellschaftspolitisch wirksam zu werden", sagte der Diakonie-Direktor der hannoverschen Landeskirche, Christoph Künkel, am Mittwoch in Hannover. Vor allem sei noch ungeklärt, ob die Freiwilligen ein Kindergeld erhielten oder nicht. Zudem sei offen, ob der Dienst als Praktikum anerkannt wird.

Dies schrecke mögliche Bewerber ab, sagte Künkel und sprach von einem Skandal: "Die zuständigen Ministerien müssen sich flugs einigen." Er hoffe, dass zum Ende der Sommerferien mehr Klarheit herrsche. Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt zum 1. Juli den Zivildienst, der wegen der Aussetzung der Wehrpflicht entfällt.

Bei der Diakonie der hannoverschen Landeskirche haben sich nach eigenen Angaben auf insgesamt 310 Plätze bisher nur 27 junge Menschen beworben. Diese Tendenz sei bundesweit bei allen Wohlfahrtsverbänden gleich, sagte Künkel. Vor allem in Niedersachsen sei eine große Chance vertan worden, weil hier wegen des doppelten Abiturjahrgangs viele Jugendliche eine Auszeit zwischen Schule und Studium oder Beruf nehmen wollten.

Der Diakonie-Direktor berichtete von einer Einrichtung, in der bereits der Dienst "Essen auf Rädern" eingestellt worden sei, weil nach dem Wegfall des Zivildienstes ein Fahrer fehle. Jemanden für diesen Dienst neu anzustellen, mache das Angebot zu teuer. Ein Teil der Dienste könne jedoch durch das Freiwillige Soziale Jahr aufgefangen werden. Dieses Angebot für junge Menschen wird nicht vom Bund, sondern von den Ländern finanziert und von den Sozialverbänden in eigener Regie organisiert.

Trotz der Kritik will die Diakonie den Bundesfreiwilligendienst weiter unterstützen. Die Entscheidung der oldenburgischen Diakonie, vorerst keine Plätze für den Bundesdienst anzubieten, bis Rechtsklarheit herrsche, halte er politisch für falsch, betonte Künkel: "Dazu sind die Chancen, die im Bundesfreiwilligendienst liegen, viel zu groß."

Internet: www.diakonie-hannovers.de

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