Christen erreichen breiten Konsens über Verhaltenskodex in der Mission

Nachricht 29. Juni 2011

„Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt: Empfehlungen für einen Verhaltenskodex“, ein fünfseitiges Dokument über die Praxis der Mission „im Einklang mit den Prinzipien des Evangeliums“, wurde am Dienstag, dem 28. Juni, im Ökumenischen Zentrum in Genf (Schweiz) in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt.

Die Empfehlungen zu respektvollem Verhalten von Missionaren/innen, Evangelisten/innen und anderen Zeugen/innen des Evangeliums bei der Verkündigung des christlichen Glaubens wurden nach einem fünfjährigen Konsultationsprozess veröffentlicht, an dem der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der Päpstliche Rat für den Interreligiösem Dialog (PCID) der römisch-katholischen Kirche und die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) teilgenommen hatten.

Die drei Einrichtungen vertreten Orthodoxe, Katholiken, Anglikaner, Protestanten, Evangelikale, Pfingstler und unabhängige Kirchen, die gemeinsam rund 2 Millionen Mitglieder zählen und damit fast 90 Prozent des weltweiten Christentums umfassen.

„In den vergangenen fünf Jahren haben wir eine neue Brücke gebaut“, erklärte Dr. Geoff Tunnicliffe, der Generalsekretär der WEA. „Das Dokument ist ein großer Erfolg“, so Tunnicliffe, denn es stelle eine formelle Vereinbarung zum „Wesen der christlichen Mission“ dar und zeige gleichzeitig, dass unterschiedliche christliche Einrichtungen „in der Lage sind, zusammenzuarbeiten und mit einer Stimme zu sprechen“. In diesem Sinne sei die Veröffentlichung des Textes „ein historischer Moment“ im Streben nach christlicher Einheit.

„Wir senden dieses Dokument an unsere jeweiligen Mitglieder“, sagte Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, der Generalsekretär des ÖRK, „in der Hoffnung, dass sie die vorliegenden Empfehlungen als Inspiration verstehen, ihren eigenen Verhaltenskodex, der an ihre jeweilige Situation angepasst ist, auszuarbeiten“.

Das Dokument beginnt mit der Aussage „Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche“. Die nachfolgenden Empfehlungen schlagen praktische Wege für die missionarische Arbeit vor und bringen zugleich aufrichtigen Respekt vor Angehörigen anderer Religionen zum Ausdruck.

Kardinal Jean-Louis Tauran, der Präsident des PCID, erklärte, Kirchenleitende hätten heute „die Pflicht, den Glauben zu verkünden“ und auch „eine umfassendere Vision vom Dialog vorzuschlagen“. Er zitierte einen Grundsatz der katholischen Lehre - „Die Katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in [anderen] Religionen wahr und heilig ist“ - und mahnte, Christen müssten religiöse Konflikte überwinden, wenn sie „die Wahrheit Gottes in glaubwürdiger Weise darstellen wollen“.

Das gemeinsame Dokument zum christlichen Zeugnis ruft zur sorgfältigen Untersuchung von Fragen der Mission und des interreligiöses Dialogs, zum Aufbau von Vertrauen und Zusammenarbeit unter Menschen aller Religionen und zur Stärkung der Religionsfreiheit überall auf.

Christen und Christinnen werden ermutigt, für das Wohl aller zu beten, ihre eigene religiöse Identität zu stärken und die Glaubensüberzeugungen anderer nicht falsch darzustellen.

„Wo möglich“, so heißt es weiter, sollte die Vorbereitung von Verhaltenskodices durch Kirchen und kirchliche Organisationen „ökumenisch und in Beratung mit Vertretern/innen anderer Religionen geschehen“.
Bei der Vorstellung von “Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ bezog Tveit sich auf das Gebet Jesu Christi für die Einheit im 17. Kapitel des Johannesevangeliums. „Wir sind berufen, eins zu sein, damit die Welt glaube“, betonte Tveit. „Und so ist dieser Tag ein Tag der Dankbarkeit, ein Tag der Feier, aber auch ein Tag des Nachdenkens.“

Die Tagungen, auf denen der ÖRK, der Päpstliche Rat und die WEA gemeinsam an der Formulierung des „Christlichen Zeugnisses in einer multireligiösen Welt” arbeiteten, fanden im Mai 2006 in Lariano (Italien), im August 2007 in Toulouse (Frankreich) und im Januar 2011 in Bangkok (Thailand) statt.

Vollständiger Text von „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ auf Deutsch

Quelle: www.oikoumene.org
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Der Ökumenische Rat der Kirchen fördert die Einheit der Christen im Glauben, Zeugnis und Dienst für eine gerechte und friedliche Welt. 1948 als ökumenische Gemeinschaft von Kirchen gegründet, gehören dem ÖRK heute mehr als 349 protestantische, orthodoxe, anglikanische und andere Kirchen an, die zusammen über 560 Millionen Christen in mehr als 110 Ländern repräsentieren. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche. Der Generalsekretär des ÖRK ist Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, von der (lutherischen) Kirche von Norwegen. Hauptsitz: Genf, Schweiz.