Bündnis protestiert gegen Sonnenwendfeier von Neonazis

Nachricht 27. Juni 2011

Eschede/Kr. Celle (epd). Ein Bürgerbündnis hat am Sonnabend in Eschede bei Celle gegen ein Treffen von Neonazis protestiert. Auf dem abgelegenen Hof des Landwirtes und NPD-Mitgliedes Joachim Nahtz waren erneut Rechtsextremisten zu einer "Sonnenwendfeier" zusammengekommen. An der Gegendemonstration beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 110 Vertreter von Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und antifaschistischen Initiativen.

Mehr als 100 weitere Teilnehmer wollten nach Informationen aus den Reihen der Demonstranten aus Lüneburg anreisen, wurden jedoch durch den Lokführerstreik davon abgehalten. Dass seit einigen Jahren regelmäßig gegen die Sonnenwendfeiern demonstriert werde, möge wie ein ermüdendes Ritual anmuten, sagte der Celler evangelische Superintendent Hans-Georg Sundermann bei der Kundgebung. "Trotzdem ist unser Protest hier und heute notwendig. Gleichgültigkeit gegen einen vermeintlich randständigen Rechtsradikalismus, der als Brauchtumspflege daherkommt, ist eine gefährliche Einstellung."

Die Kirche stehe für Meinungsfreiheit und Menschenwürde ein und lehne die rechtsradikale Ideologie entschieden ab, betonte Sundermann. Zugleich dürften jedoch die jungen Menschen nicht aus dem Blick geraten, die für diese Ideologie anfällig seien, weil ihnen Chancen verwehrt würden. "Rechtsradikalismus fällt nicht vom Himmel." Er sei auch das Produkt der Versäumnisse, für gerechte Lebenschancen für alle Menschen zu sorgen.

Der Demonstrationszug führte über eine Landesstraße, die dafür zeitweilig gesperrt wurde. In dieser Zeit war auch den Zufahrtsweg zum Hof Nahtz blockiert. Der Hof wird seit Jahren von Rechtsextremisten für Planungstreffen genutzt. Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Marcus Winter aus Minden hatte als Mitveranstalter der Sonnenwendfeier am Freitag Beschwerde bei Verwaltungsgericht Lüneburg gegen die Straßensperrung eingereicht, weil dann die Teilnehmer nicht anreisen könnten. Das Gericht entschied daraufhin die Sperrung der Straße statt um 14.30 Uhr erst ab 16 Uhr zuzulassen.

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