Evangelische Kirchen und Caritas bekräftigen Kritik an Abschiebungen von Roma

Nachricht 24. Juni 2011

Hildesheim/Wolfenbüttel (epd). Die Kritik an den Abschiebungen von Roma und Sinti aus Niedersachsen in das Kosovo hält an. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber forderte am Freitag genauere Prüfungen der Einzelfälle, um keine Menschen zu gefährden. Die katholische Caritas in Niedersachsen kritisierte in einem Brief an Innenminister Uwe Schünemann (CDU), dass nach aktuellen Berichten internationaler Organisationen Roma im Kosovo "keine menschenwürdige Chance" hätten.

Der braunschweigische Landesbischof sagte, ihm gehe es nicht um einen generellen Abschiebestopp, sondern darum, dass die humanitären Aspekte der einzelnen Fälle intensiver gewürdigt würden. Weber ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Er erinnerte daran, dass unter anderen der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland und das Diakonische Werk die Abschiebepraxis kritisiert hätten. Die Bundesregierung dagegen habe 2010 mit dem Kosovo ein Abkommen geschlossen, dass die Rückführungen in dieses Land erleichtere.

Die Caritas kritisierte, die besondere Situation von Alten, Kranken, Traumatisierten und Alleinerziehenden mit kleinen Kindern werde nicht berücksichtigt. "Die Caritas in Niedersachsen erwartet eine Erlassregelung, die individuelle humanitäre Ermessensentscheidungen zulässt und nur Forderungen beinhaltet, die benachteiligte Menschen auch erbringen können." Zur Caritas in Niedersachsen zählen der Landes-Caritasverband Oldenburg und die Diözesan-Caritasverbände Osnabrück und Hildesheim.

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24.6.11