Landesbischof Meister für Begrenzung verkaufsoffener Sonntage

Nachricht 15. Juni 2011

Lüneburg (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat sich gegen zu viele verkaufsoffene Sonntage gewandt. Dabei werde "die billige Preisgabe eines Kulturgutes unserer Gesellschaft provoziert", sagte er am Dienstagabend in Lüneburg beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHK) im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU).

"Ist das gesellschaftliche Bewusstsein für unsere Kultur so schwach, dass wir religiös geprägte und verfassungsrechtlich abgesicherte Grundgüter leichtfertig preisgeben?", fragte der evangelische Theologe. Wenn etwa an allen vier Adventssonntagen die Läden geöffnet werden sollten, sei dies zu viel. Die Verantwortlichen in Niedersachsen hätten an diesem Punkt "glücklicherweise fast immer zu gütlichen Einigungen" gefunden, merkte Meister an.

Der Bischof berief sich seinem Manuskript zufolge auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, nach dem die Sonn- und Feiertage die Menschen vor einer weitgehenden Ökonomisierung schützen sollen. Die Gesellschaft brauche den Sonntag, um zu erfahren, dass Produktion und Rentabilität nicht den Sinn des Lebens ausmachten. Die Verfassungsrichter hatten 2009 eine Regelung in Berlin gekippt, nach der die Geschäfte an bis zu zehn Sonntagen geöffnet werden durften, darunter alle vier Adventssonntage.

In seinem Vortrag über "Geld und Gerechtigkeit" betonte der Bischof, dass alles Marktgeschehen nach dem Kriterium der Gerechtigkeit ausgerichtet werden müsse. Dafür seien Regeln nötig. Er habe Respekt vor sozial gesinnten Unternehmern: "Aber die Finanz- und Wirtschaftskrise hat deutlich gezeigt, dass es allein damit nicht reicht."

Ministerpräsident David McAllister verwies nach vorab verbreiteten Angaben der Staatskanzlei darauf, dass die Zahl der Arbeitslosen in Niedersachsen im vergangenen Monat mit 271.000 den niedrigsten Stand in einem Mai seit 19 Jahren erreicht habe. Die Arbeitslosenquote liege bei 6,8 Prozent, und der Konjunkturklima-Indikator der IHK befinde sich mit 130 Punkten auf dem Höchststand der vergangenen zehn Jahre.

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15.6.2011