Braunschweiger Bischof Weber: Religionen müssen Werte in Europa mitbestimmen

Nachricht 08. Juni 2011

Bonn/Braunschweig (epd). Die Religionen können nach Ansicht des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber einen wichtigen Beitrag zum Wertekonsens in Europa leisten. "Für die Kirchen bietet sich hier eine besondere Chance", sagte der evangelische Theologe am Mittwoch auf dem Jahresempfang der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Bonn. Sie könnten sich dafür einsetzen, dass die EU die soziale Verantwortung sowie den Schutz der Menschenrechte und der natürlichen Lebensgrundlagen achte.

"Europa braucht eine Kultur der Anerkennung und der Wertschätzung des Lebens, die nicht bestimmte Entwicklungsstadien des Lebens und bestimmte gesellschaftliche Gruppen wie Behinderte, Kranke und Alte oder Zuwanderer ausschließt", sagte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig laut Redetext weiter. Zudem müsse den sozialen Fragen "in einem zunehmend von ökonomischen Interessen bestimmten Europa" Geltung verschafft werden. Hier seien die Einsichten evangelischer Sozialethik und katholischer Soziallehre richtungsweisend.

Weber unterstrich die Prägekraft des Christentums in Europa: "Das Gesicht Europas ist bis heute von christlich-jüdischen Traditionen bestimmt." Dazu zählten die zahlreichen Klöster, Hospitäler, Kirchen und Wegkreuze oder der am liturgischen Kalender orientierte Jahreslauf. Auch die Vorstellung vom Menschen, der seine unantastbare Würde von Gott empfange und die daraus abgeleiteten Menschenrechte gehörten dazu.

Heutzutage sei der Dialog mit anderen Religionen um des friedlichen Miteinanders willen dringend nötig. Dazu gehöre auch eine Selbstvergewisserung, sagte Weber, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ist: "Wer mit Religiösen über Religion sprechen will, muss selbst eine haben."
 

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8.6.2011