Plakatkampagne gegen häusliche Gewalt in der Region Hannover

Nachricht 07. Juni 2011

Hannover (epd). Mit einer großflächigen Plakatkampagne wollen Frauenberatungsstellen der Region Hannover auf häusliche Gewalt aufmerksam machen. Immer mehr Frauen hätten in den vergangenen Jahren Hilfe gesucht, sagte Sabine Wegmann von den Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) gegen häusliche Gewalt. Jede vierte Frau in Deutschland wird den Angaben zufolge zum Opfer. Vom 17. Juni an werden rund 80 Plakate in der Region geklebt.

Die Poster zeigen inszenierte Fotografien aus dem Alltag. Auf einem ist eine Frau in einer Küche zu sehen. Ihre Ausrede, "Ich kann nicht kommen, weil wir uns einen schönen Abend machen", ist durchgestrichen. In fetter, großer Schrift ist stattdessen zu lesen: "Ich kann nicht kommen, weil er den Schlüssel versteckt hat."

Die Kampagne wurde von Studenten der Fachhochschule Hannover anlässlich des fünfjährigen Bestehens von BISS entworfen. Das Projekt wurde von der Kreissiedlungsgesellschaft gefördert.

Hilfreich sei, dass die Polizei seit einer Gesetzesneuerung von 2002 die zur Anzeige gebrachten Fälle an die Beratungsstellen weiterleite, sagte Wegmann. So sei es den Mitarbeitern möglich, zu den Betroffenen Kontakt herzustellen. Darüber seien viele Frauen erleichtert. Vor dem Polizeieinsatz liege oft bereits eine lange Vorgeschichte.

Nicole Waldmann von BISS betonte, dass auch psychische Gewalt wie Drohungen, Diskriminierungen und einseitige Machtausübungen mittlerweile zum Straftatbestand zählten. Sie schätzt, dass rund ein Drittel der häuslichen Gewalt aus verbaler oder finanzieller Gewaltausübung besteht. "Das hat starke Auswirkungen auf die Gesundheit."

Auch die präventive Arbeit mit Kindern habe zugenommen. "Kinder sind immer mit betroffen", sagte Wegmann. Sie lernten oft nicht, dass Konflikte auch anders als gewalttätig zu lösen seien.

Internet: www.awo-hannover.de, www.frauennotruf-langenhagen.de

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7.6.2011