Gottesdienst erinnert mit Glockenschlägen an 172 gesunkene Schiffe

Nachricht 07. Juni 2011

Wittmund (epd). Ein ökumenischer Gottesdienst soll an diesem Sonntag im ostfriesischen Carolinensiel an verunglückte Schiffe in aller Welt erinnern. Auf den Weltmeeren seien im vergangenen Jahr 172 Schiffe gesunken, sagte der Leiter des örtlichen Sielhafenmuseums, Manfred Sell, am Dienstag. Dabei seien 250 Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Gottesdienst im Museumshafen wird für jedes gesunkene Schiff die Glocke des 1854 gestrandeten Auswanderer-Seglers "Johanne" ertönen. Bei der Katastrophe vor der Insel Spiekeroog ertranken damals 80 Menschen.

Die meisten der im Vorjahr gesunkenen Schiffe seien unter der Flagge Panamas gefahren, sagte Sell. Doch seien nur elf von ihnen auch wirklich in Panama beheimatet gewesen. Die übrigen Schiffe seien ausgeflaggt worden, das heißt, sie wurden aus steuerlichen Gründen dort gemeldet. Die schwerste Katastrophe habe sich in türkischen Gewässern ereignet. Dort sei ein Frachter mit 25 Menschen an Bord gesunken.

Schwerpunkt der Andacht von Pastorin Arnhild Bösemann wird Sell zufolge die 150-jährige Geschichte der Seenotrettung in Ostfriesland sein. Noch vor der Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 1865 sei in Emden der "Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an den ostfriesischen Küsten" entstanden. Er sei später in der größeren Gesellschaft mit Sitz in Bremen aufgegangen.

Im Sielhafenmuseum selbst läuft Sell zufolge eine Sonderausstellung zum Untergang des Seglers "Ora et Labora" (Bete und Arbeite), der am 3. Dezember 1909 östlich von Wangerooge verunglückte. Bei einer dramatischen Rettungsaktion durch das Horumersieler Ruderrettungsboot "Vegesack" kamen sieben Menschen ums Leben.

Die Carolinensieler Schiffsandacht wurde 1996 nach dem tragischen Unfall des auf Borkum stationierten Seenot-Rettungskreuzers "Alfried Krupp" ins Leben gerufen. Die Besatzung hatte in der Neujahrsnacht 1995 einem niederländischen Seenotretter helfen wollen, der bei Sturm über Bord gerissen worden war. Auf dem Rückweg wurden der Vormann und der Maschinist der "Alfried Krupp" selbst auch von Bord gespült. Sie konnten nicht gerettet werden. Der Niederländer wurde später von einem Hubschrauber lebend aus dem Meer gezogen.

Carolinensiel, heute ein Ortsteil von Wittmund, hatte im 19. Jahrhundert nach Emden den zweitgrößten Handelshafen Ostfrieslands. Die Sielhäfen entstanden an den Mündungen der Wasserläufe in die Nordsee.

Internet: www.sielhafenmuseum.de

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7.6.2011