Neues Forschungsportal: Hofprediger war ein Beruf mit Risiko

Nachricht 07. Juni 2011

Wolfenbüttel/Osnabrück (epd). Oberhofprediger der frühen Neuzeit lebten neuen Informationen im Internet zufolge als Kritiker und Berater der Fürsten mit einem relativ hohem Berufrisiko. Manch einer habe seine Kritik mit Haft, Entlassung oder Ausweisung gebüßt, heißt es im neuen Forschungsportal www.oberhofprediger.de, das am Dienstag freigeschaltet wurde. Dort sind künftig Einzelheiten über die protestantische Hofgeistlichkeit im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel von 1568 bis 1714 abrufbar.

Bei dem Projekt, das vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert wird, arbeiten die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und die Universität Osnabrück zusammen. Die Nutzer können in 350 historischen Druckschriften recherchieren. Sie erfahren, dass der Aktionsraum der Hofprediger über die Seelsorge hinaus reichte. Sie spielten als Berater in theologischen, politischen und ethischen Fragen eine wichtige Rolle. Viele Oberhofprediger gehörten zur theologischen Elite ihres Landes.

Ein sonderlich hohes Maß an Obrigkeitshörigkeit konnte man den meisten lutherischen Hofpredigern dabei kaum nachsagen, heißt es. "Auffallend häufig" beharrten die Hofprediger auf ihrer Kritik. Hier sei ein wichtiger Grund dafür zu finden, dass nicht wenige von ihnen ihr Amt am Hof freiwillig aufgaben und in andere Stellungen wechselten.

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7.6.2011