Landesbischof Meister sieht Trost als wichtigste Aufgabe der Kirche

Nachricht 04. Juni 2011

Hannover/Dresden (epd). Die Kirche erfüllt nach Auffassung des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister nicht in erster Linie einen gesellschaftlichen Nutzen, sondern spendet Trost und gibt Hoffnung. "Trost nützt nichts - aber Menschen sind zutiefst trostbedürftig", sagte Meister am Sonnabend beim evangelischen Kirchentag in Dresden. Der evangelische Theologe und Religionssoziologe Thomas Schlag warnte im Verlauf des Diskussionsforums zur Zukunft der Kirche angesichts der Kirchenaustritte vor "hysterischen Untergangsszenarien".

Kleiner, ärmer und älter - das sind für den Religionssoziologen nicht die zentralen Schlagwörter, um die kirchliche Zukunft zu beschreiben. Das sei aber auch kein Grund für eine träge Gelassenheit. "Die Kirche muss erkennbarer, mutiger und jugendlicher werden." Richtig ernst werde es erst, wenn die Kirche kein lebensdienlicher und beherbergender Ort wäre.

Schlag mahnte, viele Kirchengemeinden litten unter einer Reformlast. "Sie sagen uns: Bringt uns keine Organigramme", berichtete der Wissenschaftler, der an der theologischen Fakultät in Zürich ein Institut für Kirchenentwicklung leitet. In den Gemeinden könne es nicht um Dinge wie Leistung, Nummern und Quantitäten gehen. "Es geht um die Frage: Ist Gott hörbar und verstehbar, gibt es in der Kirche eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen."

Religion und Kirche nutzten der Gesellschaft an vielen Stellen, könnten aber von diesem Nutzen her nicht verstanden werden, ergänzte Meister. Die Kirche sei "vielleicht die größte Trösterin unserer Kultur". Trost sei nötig für die Menschen in einem erschütterten Japan, bei der Trauerfeier für die Soldaten, die in Afghanistan getötet wurden, in Familien und Nachbarschaften. Wer tröstet sei nah dran: "Die Kirche ist nah dran - und muss es bleiben."

Trost und Hoffnung bedeuteten zwar keine Revolution und veränderten die Welt nicht. Meister: "Aber Trost ermöglicht das Leben im Leiden, Hoffnung verändert uns." Der Berliner Journalist und Theaterkritiker Dirk Pilz kritisierte in der Diskussion, er habe den Eindruck, Kirche müsse politisch andauernd etwas sagen, damit sie vorkomme. Sie habe aber in erster Linie eine christliche Botschaft. "Alles andere folgt daraus."

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