5.000 Menschen demonstrieren friedlich gegen NPD-Aufmarsch in Bremen - Kirchen unterstützen Bündnis "Keinen Meter"

Nachricht 30. April 2011

Bremen (epd). Rund 5.000 Menschen haben am Sonnabend in Bremen weitgehend friedlich gegen einen Aufmarsch von 185 Anhängern der rechtsextremen NPD protestiert. Zu den Demonstranten gehörten auch der Ministerpräsident des kleinsten Bundeslandes, Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), mit seinem Kabinett und der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms. Zu der Demonstration hatte das Bündnis "Keinen Meter" aufgerufen, dem mehr als 100 Gruppen und Organisationen angehören, darunter auch die Kirchen.

Die NPD hatte eigene Angaben zufolge vor dem Stadtteil-Bahnhof Bremen-Neustadt einen "Sozialkongress" unter Leitung des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt abgehalten. Gegendemonstranten versetzten den Stadtteil mit Sitzblocken in den Ausnahmezustand und verzögerten den Aufmarsch der NPD. Anwohner entlang der Strecke bewarfen die Neonazis mit Wasserbomben und Tomaten. Außerdem hielten sie Schilder aus den Fenstern mit Aufschriften wie: "Faschismus ist keine Ansicht, sondern ein Verbrechen". Mitarbeiter der Bremer Beck's-Brauerei forderten auf Plakaten: "Kein Bier für Nazis!"

Bei einem Versuch von gewaltbereiten linken Demonstranten, die Polizeikette zu durchbrechen, seien zwei Polizisten leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten sich mit Reizgas zur Wehr gesetzt und einen Linksextremisten festgenommen. Rund 3.000 Polizisten hatten versucht, ein Aufeinandertreffen der Neonazis und ihren Gegnern zu verhindern. Über das Internet informierte das antifaschistischer Bündnis von mehreren Verletzten aufseiten der Demonstranten.

In Zeitungsanzeigen hatten Bremer Ehrenbürger, darunter Alt-Bürgermeister Hans Koschnick (SPD), zu einer gewaltfreie Blockade des NPD-Aufmarschs aufgerufen, "um die Demokratie zu verteidigen". Die NPD nutze die gleichen Parolen wie ihr geistiges Vorbild, die NSDAP, vor einem Dreivierteljahrhundert.

Die Polizei sprach von einem "Verkehrschaos", weil wichtige Hauptverkehrsstraßen gesperrt werden mussten. Polizisten aus anderen Bundesländern mussten ihre Bremer Kollegen unterstützen. Der Einsatz kostete nach Angaben von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) 1,2 Millionen Euro. Die Polizei setzte Hubschrauber ein und hielt Räumfahrzeuge, Wasserwerfer und Pferdestaffeln in Bereitschaft.

Internet: www.keinen-meter.org

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30.4.2011