Überlebende erinnern an Befreiung des NS-Lagers Sandbostel - Sowjetische Opfer diesmal im Mittelpunkt

Nachricht 28. April 2011

Sandbostel/Kr. Rotenburg (epd). Überlebende und Zeitzeugen wollen an diesem Freitag an die Befreiung des NS-Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers im niedersächsischen Sandbostel vor 66 Jahren erinnern. In diesem Jahr stehe das Gedenken an Tausende sowjetischer Kriegsgefangener im Mittelpunkt, teilten die Organisatoren am Dienstag mit. Viele von ihnen hätten zwischen 1941 und 1945 in Sandbostel oder bei zahlreichen Arbeitskommandos zwischen Elbe und Weser ihr Leben verloren. Am 22. Juni jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die damalige Sowjetunion zum 70. Mal.

Das Gedenken beginnt den Angaben zufolge um 16.30 Uhr mit einer russisch-orthodoxen Andacht auf dem Gelände der Kriegsgräberstätte in Sandbostel. Vor einem Abschlussgottesdienst in der evangelischen Lagerkirche wollen Schüler einen Zeitzeugen-Film zeigen. Während des Zweiten Weltkrieges zählte Sandbostel zu den größten Kriegsgefangenenlagern der Wehrmacht. Zwischen 1939 und 1945 waren dort etwa 600.000 Menschen aus 46 Nationen interniert.

In Sandbostel wurden bis zu 50.000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ermordet oder starben an Seuchen, Durst und Hunger. Unter ihnen war die Gruppe der sowjetischen Kriegsgefangenen am größten. Britische Truppen befreiten das "Stalag X-B", wie es offiziell hieß, am 29. April 1945. Sie fanden auf dem etwa 35 Hektar großen Gelände viele unbestattete Leichen und verglichen die Zustände mit dem, was sie kurz zuvor im Konzentrationslager Bergen-Belsen gesehen hatten.

Auf dem Gelände der Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel sind noch 25 Gebäude des damaligen Lagers erhalten. Sie bilden ein bundesweit einzigartiges Ensemble historischer Bauten aus der Kriegszeit. Bund und Land wollen in den nächsten Jahren zusammen mit weiteren Partnern rund 1,4 Millionen Euro investieren, um einige der Baracken vor dem Verfall zu retten und die Dokumentations- und Gedenkstätte weiter aufzubauen. So soll ab Frühjahr 2013 in zwei Gebäuden eine Dauerausstellung die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte des Lagers erläutern.

Internet: www.stiftung-lager-sandbostel.de

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28.4.2011