Landeskirche erinnert mit Gottesdienst an Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Nachricht 25. April 2011

Hannover (epd). Mit einem Gedenkgottesdienst am Ostermontagabend hat die hannoversche Landeskirche an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren erinnert. Landesbischof Ralf Meister sagte am Rande des Gedenkens in Hannovers Marktkirche, viele Kirchengemeinden hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten Erholungsaufenthalte für Kinder aus den betroffenen Gebieten, aber auch medizinische Hilfe und Förderung vor Ort organisiert: "Mir liegt die Würdigung dieses Engagements sehr am Herzen." Zu dem Gottesdienst hatte die landeskirchliche Arbeitsgemeinschaft "Hilfe für Tschernobyl-Kinder" eingeladen.

Meister sprach während des feierlichen Gedenkens ein Gebet und erteilte den Segen. Er erinnerte daran, dass die evangelische Kirche bereits vor Tschernobyl und besonders auch danach, vielfach gesagt habe, dass es keine Zukunft mit der Kernenergie geben könne: "Wir müssen weltweit und konsequent Wege aus der Nutzung der Atomenergie gehen."

Auch Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel Liebermann sagte in ihrer Predigt, dass sich eine Mehrheit in Deutschland 25 Jahre nach Tschernobyl über eine Energiewende einig sei: "Aus Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen. Denn wir haben diese Erde von unseren Kindern nur geborgt." Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima habe sich schmerzhaft gezeigt, "die Geister, die wir riefen, sind unberechenbar", betonte die Theologin ihrem Predigtmanuskript zufolge.

Mit den Ferienaufenthalten in Niedersachsen könne den Kindern aus den verstrahlten Regionen um Tschernobyl eine kleine Zeit des Aufatmens gegeben werden, sagte Kreisel-Liebermann. "Den Familien zeigen wir damit: Wir vergessen Euch nicht." In dem Gottesdienst wirkten auch Vertreter weiterer Initiativen wie der niedersächsischen Landesstiftung "Kinder von Tschernobyl" mit.

Die Landeskirche unterstützt seit mehr als zwanzig Jahren eine Ferienaktion, die Kinder aus den verstrahlten Bezirken der Region Gomel in Weißrussland zur Erholung in Gastfamilien einlädt. Rund 23.500 Kinder und Begleiter waren mittlerweile zu Gast. Rund 700 werden in diesem Sommer erwartet. Zudem erhalten Krankenhäuser in Gomel medizinische Hilfe. Der Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl jährt sich an diesem Dienstag, dem 26. April, zum 25. Mal. In vielen anderen Gemeinden hatte es ebenfalls Gedenkgottesdienste gegeben.

Landesbischof Meister: Atomenergie darf keine Zukunft haben

Hannover (epd). Nach Ansicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister darf es für die Atomenergie keine Zukunft mehr geben. Zu der Formulierung von der "Brückentechnologie Kernenergie" müsse er zugespitzt sagen, dass diese Technologie auch eine Brücke in den Tod sei. "Das war doch seit Tschernobyl klar", sagte Meister im Interview der "Neuen Presse" Hannover (Osterausgabe). Das Reaktorunglück von Tschernobyl jährt sich an diesem Dienstag zum 25. Mal. Am Ostermontag finden bundesweit Demonstrationen für den Ausstieg aus der Kernenergie statt.

Zu der von seiner Vorgängerin Margot Käßmann angestoßenen Debatte um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sagte der Bischof, es müsse zwischen dem Einsatz der Soldaten und der politischen Linie unterschieden werden. "Den mangelnden Friedens-Einsatz kritisiere ich genauso wie Margot Käßmann." Man müsse jedoch sehen, wie man das sage, ohne die Soldaten selbst infrage zu stellen. Er wolle noch vor dem Sommer Bundeswehr-Standorte in Niedersachsen besuchen und dort auch mit Soldaten sprechen, die traumatisiert aus dem Einsatz zurückgekehrt sind, kündigte Meister an.

Grundsätzlich lege er Wert auf genaue Analyse, bevor er sich zu politischen Themen äußere, sagte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. "Ich glaube, dass ich das an bestimmten Punkten nicht leisten kann - dann muss auch mal ein Schweigen möglich sein." So habe ihn zwar die deutsche Entscheidung irritiert, sich nicht an der Durchsetzung des Flugverbotes in Libyen zu beteiligen. Es fehle ihm aber die Sachkenntnis, um die Frage abschließend zu beurteilen. Wie alle Kirchenvertreter trenne er zwischen einer klaren Position in der Sache und einer hohen Achtung vor politisch Verantwortlichen, betonte Meister.

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25.4.2011