Niedersächsische Bischöfe rufen in Osterpredigten zu Hoffnung und Neuanfängen auf - Appell: Trotz Katastrophen nicht resignieren

Nachricht 24. April 2011

Hannover/Braunschweig/Oldenburg (epd). Evangelische und katholische Bischöfe in Niedersachsen haben in ihren Osterpredigten zur Hoffnung und zu Neuanfängen aufgerufen. Die biblische Geschichte von der Auferstehung Jesu von den Toten sei zunächst keine Jubelgeschichte, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Sie berichte vom Schrecken der Frauen, die das leere Grab finden. "Aus dem Zittern am leeren Grab wird Hoffnung", sagte der evangelische Bischof am Sonntag in der hannoverschen Marktkirche. Diese Hoffnung ermutige dazu, sich nicht dem Leiden zu ergeben, sondern nach Neuanfängen zu suchen.

Auch der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber appellierte, trotz dramatischer Katastrophen in der Welt nicht zu resignieren. Die Osterbotschaft zeige, dass die Gewalt überwunden werden und aus Tod neues Leben entstehen könne, sagte der evangelische Bischof am Sonntag im Braunschweiger Dom. Weber bezeichnete das Reaktorunglück vor 25 Jahren in Tschernobyl und die aktuelle Katastrophe in Fukushima in Japan als "Dramen in dieser Zeit".

Der Oldenburger Bischof Jan Janssen nannte die beiden Reaktorkatastrophen Zeichen menschlichen Versagens und der Selbstüberschätzung. "Wir wollen nicht noch so einen dritten Ortsnamen von irgendwo auf der Welt kennenlernen. Wir brauchen auch keinen dritten Versuch, um endlich zu Sinn und Verstand zu kommen und die Finger von nicht zu Ende gedachten Experimenten zu lassen", sagte er in seiner Osterpredigt in der evangelischen Lambertikirche in Oldenburg.

Der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke unterstrich, Ostern habe die Welt verändert: "Wer nicht an Wunder glauben kann, kann auch nicht für Veränderungen arbeiten und hat nicht die Kraft zu den Schritten dorthin." Doch der Glaube an das Unglaubliche sei nötig, damit positive Veränderung in der Welt möglich werde. Dies gelte vom Fall der Mauer in Berlin bis zu einem Frieden im Heiligen Land, "auf den die Wohlwollenden in Israel und Palästina so sehr hoffen", sagte der evangelische Bischof in Bückeburg   

Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle rief in der Osternacht zur Unterstützung für die Freiheitsbewegungen in Nordafrika auf. Ostern sei ein Fest der Freiheit. Er verbinde damit auch Bilder aus Ägypten und anderen Ländern Nordafrikas, wo vor allem junge Menschen unter Einsatz ihres Lebens die Unterdrückung durch Diktaturen abschütteln wollten. Es verbiete sich, dabei nur Zuschauer zu sein. "Ob wir es wollen oder nicht - wir sind Nachbarn jener Menschen, die ihre Hände ausstrecken, damit wir ihnen Verständnis, Hilfe und Unterstützung zukommen lassen", sagte der Bischof im Hildesheimer Dom.

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode forderte in seiner Predigt einen neuen Lebensstil. Bode wandte sich gegen den Raubbau an der Natur und gegen die Selektion ungeborenen sowie alternden Lebens. Er kritisierte zudem die politische Angriffe auf die Karfreitagsruhe. Das Leben in seiner Vielfalt, zu der auch schwere Zeiten gehörten, dürfe weder dem Markt und der Wirtschaft noch der "Spaß- und Erlebnisgesellschaft" geopfert werden, sagte er in der Osternachtfeier im Osnabrücker Dom.

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24.4.2011