Landesbischof Meister verteidigt Karfreitagsruhe - EKD-Ratsvorsitzender Schneider wirbt für Erhalt christlicher Feiertage

Nachricht 21. April 2011

Hannover/Osnabrück (epd). In der neu aufgeflammten Debatte um die gesetzliche Karfreitagsruhe hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister den stillen Feiertag verteidigt. "Stille religiöse Feiertage sind unverzichtbar, weil sie uns an die tragenden Werte unserer Kultur erinnern", sagte der evangelische Bischof der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Bischof Meister verwies auf den besonderen Charakter des Karfreitages, an dem an den Tod Jesu am Kreuz erinnert wird. "Leid und Tod werden nicht ausgeblendet, sondern als Teil des Lebens begriffen. Das sagt uns der Karfreitag." Die Stille dieses Tages sollte akzeptiert werden. Ähnlich äußerte sich auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

Karfreitag und Ostern forderten die Menschen heraus, über die Realität des Todes nachzudenken und sich mit der Perspektive und Hoffnung des Lebens zu beschäftigen, sagte Schneider der in Essen erscheinenden "Neuen Ruhr Zeitung/Neuen Rhein Zeitung" (NRZ, Donnerstagsausgabe). Dazu passten rein unterhaltende Vergnügungsveranstaltungen nicht, die den Sinn von Karfreitag überspielten.

Feiertage strukturierten das Leben der Menschen und der Gesellschaft, fügte der oberste Repräsentant von gut 25 Millionen Protestanten hinzu. Dabei kämen Karfreitag und Ostern besondere Bedeutung zu. An Ostern wird der Tag gefeiert, an dem Christus dem Glauben nach von den Toten auferstanden ist und den Tod besiegt hat. Es ist das älteste und höchste Fest der Christenheit.

Der Sprecher des Arbeitskreises der Laizisten in der SPD, Michael Bauer, forderte dagegen, den Karfreitag als stillen Feiertag abzuschaffen. Bei zurückgehender christlicher Religiosität und immer mehr muslimischen Mitbürgern könnten die bisherigen Einschränkungen etwa für Diskotheken oder Theater nicht aufrecht erhalten werden, sagte Bauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Dies gelte auch für Ostern, Pfingsten, Allerheiligen oder Heiligabend. Es müsse sichergestellt werden, dass Christen "ungestört ihrer Religion nachgehen" könnten. Aber den Anderen dürfe nicht verboten werden, etwa zu Tanzpartys zu gehen. Es seien "Rücksichtsnahme und Toleranz geboten".

In mehreren Bundesländern - darunter Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen - war es in den vergangenen Wochen zu Diskussionen über Theateraufführungen und Tanzveranstaltungen an Karfreitag gekommen. Der Partei-Chef der Grünen in NRW, Sven Lehmann, hatte erklärt, jeder solle diesen Feiertag so verbringen können, wie er wolle. Unionspolitiker wie Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann wiesen den Vorstoß zurück.

In Essen wurde die geplante Aufführung der Aalto-Oper, die Premiere von Puccinis "Madame Butterfly", verboten. Auch andere Städte mussten die Feiertagsruhe mit Verboten durchsetzen.

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21.4.2011