Lüneburger Landessuperintendent Jantzen in den Ruhestand verabschiedet

Nachricht 13. März 2011

Lüneburg (epd). Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen ist am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet worden. Im Festgottesdienst in der St. Johanniskirche in Lüneburg würdigte der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, den 65-Jährigen: "Vielen bist Du zum Seelsorger geworden, viele haben Deinen Rat geschätzt und sich wahrgenommen gefühlt." Jantzen bleibt noch knapp zwei Wochen lang stellvertretender Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Am 26. März wird der neue Landesbischof Ralf Meister in Hannover in sein Amt eingeführt.

Jantzen leitete mehr als 13 Jahre lang als Regionalbischof den Sprengel Lüneburg, der mit rund 640.000 Kirchenmitgliedern in zwölf Kirchenkreisen der größte Bezirk der Landeskirche ist. Er rief in seiner Predigt dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. "Wir sind gefragt, was aus dieser Erde und ihren Menschen wird." Fluch und Segen lägen zum Beispiel bei der Anwendung der Technik oft dicht bei einander, "wie die schrecklichen Ereignisse in Japan uns das drastisch vor Augen führen". Es sei zu fragen, ob Entscheidungen aus den Zeiten eines ungebremsten Fortschrittsglaubens nicht neu überdacht werden müssten.

Jantzen sagte weiter, er habe gespürt, dass Einsatz sich lohnen könne, etwa bei Begegnungen mit vielen kreativen Mitarbeitern der Kirche. Viele soziale Projekte der Diakonie zeigten, wie mehr Solidarität und soziale Gerechtigkeit eingefordert werden könnten.

Redner aus Kirche und Politik würdigten Jantzen als Mann mit klaren Positionen, der zugleich dialogbereit und humorvoll sei. In der Diskussion um ein mögliches atomares Endlager in Gorleben habe Jantzen stets die Verantwortung für die Schöpfung im Vordergrund gesehen, sagte de Vries. Er habe seine Stimme für die Benachteiligten erhoben. Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, Jantzen habe sich für ein gutes Zusammenwirken von Kirche und Politik eingesetzt. Selbst dann, wenn er ein "Botschafter des unbequemen Wortes" war, habe er zu einem Verhältnis von Fairness, Vertrauen und Offenheit beigetragen.

Für den Bischofsrat sagte der Hildesheim-Göttinger Landessuperintendent Eckhard Gorka, Jantzen sei stets mit den unterschiedlichsten Menschen im Gespräch gewesen, mit Atomkraftgegnern ebenso wie etwa mit Freunden des niedersächsischen Missionswerkes in Hermannsburg. Der Lüneburger katholische Dechant Carsten Menges würdigte für das Bistum Hildesheim die ökumenische Zusammenarbeit.

Seit dem Rücktritt der früheren Landesbischöfin Margot Käßmann vor rund einem Jahr vertritt mit Jantzen erstmals in der Landeskirche ein Bischofsvikar das höchste Amt. Wer in Lüneburg seine Nachfolge antritt, entscheidet sich voraussichtlich im April.

Jantzen wurde in Polle bei Holzminden geboren. Als Sohn eines evangelischen Superintendenten wuchs er in Cadenberge bei Cuxhaven auf. Als Pastor arbeitete er zunächst in Lehrte bei Hannover. Zwischen 1980 und 1986 bildete er als Studieninspektor am Predigerseminar in Hildesheim den theologischen Nachwuchs aus. 1986 wurde Jantzen Superintendent des Kirchenkreises Göttingen-Nord. Er ist mit der Zahnärztin Ursel Jantzen verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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13.3.2011