Suche nach Taufpaten gestaltet sich zunehmend schwierig

Nachricht 28. Februar 2011

Hannover/Bremen (epd). Die Suche nach Taufpaten in Niedersachsen und Bremen gestaltet sich nach Erfahrungen von Vertretern der evangelischen Kirchen zunehmend schwierig. In Ostfriesland oder der Lüneburger Heide, wo der christliche Glaube noch weitgehend verankert ist, sei das kein Problem. In Universitätsstädten wie Göttingen oder Industriestädten mit sozialen Problemen wie Salzgitter oder Bremen wird es dagegen einer epd-Umfrage zufolge langsam zur Suchaufgabe, einen geeigneten Paten zu gewinnen. Die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat das Jahr 2011 zum "Jahr der Taufe" ausgerufen, um wieder mehr für die Taufe zu werben.

Ob Familien Paten finden, hänge auch von ihrem Umfeld ab. Schwer sei das manchmal bei jungen Akademikern oder Jobeinsteigern, die etwa mit dem ersten Gehalt aus der Kirche ausgetreten seien, sagte der Koordinator für das "Jahr der Taufe 2011" in der hannoverschen Landeskirche, Pastor Reinhard Fiola. Doch die Kirchenmitgliedschaft ist Voraussetzung für das Patenamt.

Auch Familien aus dem sozial schwachen Milieu und Alleinerziehende hätten bei der Suche oft Probleme. "Da meinen Menschen, sie können es sich nicht leisten, Paten zu sein, weil sie dem Kind keine Geschenke machen können." Dabei sollten Paten nach christlichem Verständnis die Eltern bei der religiösen Erziehung unterstützen, betonte der Pastor.

Oft stehe auch nur ein Pate am Taufbecken, sagte die Bremer Pastorin Ingeborg Kuschnerus. Die Gemeindepastorinnen versuchten immer wieder, die kirchenrechtlichen Bestimmungen nicht zu rigide anzuwenden, um den Familien gerecht zu werden. So gebe es mittlerweile immer wieder Taufen mit Eltern, die beide nicht in der Kirche seien. Ihnen sei aber der Segen für ihr Kind wichtig.

Kuschnerus, die für ihre Landeskirche das "Jahr der Taufe" koordiniert, trifft immer wieder auf ein "magisches Missverständnis" über den Sinn der Taufe. Die Taufe sei keine Lebensversicherung und gebe nicht die Sicherheit, dass dem Kind fortan nichts mehr zustoßen könne. "Es ist aber die Zusage Gottes, ich bin bei dir, egal was passieren mag", sagte die Pastorin.

In der braunschweigischen Landeskirche fehlen vor allem in den ostdeutschen Gemeinden geeignete Paten. "Wir sind elf Prozent evangelische Christen in der Stadt", sagte Pfarrerin Claudia Lundbeck von der "Kirche am Markt" im sachsen-anhaltinischen Blankenburg. Sie befürchtet: "Wir leben bereits die Zukunft des Westens". Dringend müssten die Menschen in Glaubens- und Taufkursen an den christlichen Glauben herangeführt werden.

In Niedersachsen und Bremen sind die Taufzahlen den Statistiken zufolge in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Viertel zurückgegangen. 2001 wurden in der hannoverschen Landeskirche, der größten in Niedersachsen, noch rund 31.200 Kinder getauft. Im Jahr 2009 waren es nur noch rund 23.800.

Kaum Probleme, einen Taufpaten zu finden, gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, weil hier noch viele Menschen der Kirche angehören. "Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen bestimmt der Gemeindekirchenrat einen Taufpaten", sagte Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk.

Ungewöhnliche Wege gehen einige ostfriesische Gemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer. Hier ist es laut Jugendpastor Bernhard Schmeing alte Tradition, überhaupt keinen Taufpaten zu benennen. Stattdessen übernehme die gesamte Gemeinde das Patenamt für alle Täuflinge.

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