EKD-Theologe Gundlach kontert Kirchenkritik

Nachricht 24. Februar 2011

epd-Gespräch: Rainer Clos

Hannover (epd). In der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) stoßen die kirchenkritischen Thesen des Theologen Friedrich Wilhelm Graf auf Widerspruch. Das ständige Schwarzsehen in Grafs Buch "Kirchendämmerung" sei völlig überzogen, sagte der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes in Hannover, Thies Gundlach, in einem epd-Gespräch. "Natürlich, die Kirche ist nicht so ideal wie sie sein sollte." Zwar fänden sich für die Vorwürfe Belege in den Kirchen, aber es finde sich auch das Gegenteil. "Es gibt sehr gute Pfarrerinnen und Pfarrer, es gibt gelungene Sprache, es gibt ethisch überzeugende Stellungnahmen", argumentiert der EKD-Theologe.

Zur Vorsicht rät Gundlach bei Nachrufen auf die Kirche. Der Kirche sei ebenso wie der Religion schon häufig das Ende angekündigt worden, "und es gibt sie immer noch". Ohnehin sei die bildungsbürgerliche Haltung des Herabsehens auf den jeweiligen Kirchenzustand nicht neu.
"Schaut man aber genau hin, dann findet man immer auch überzeugende Gemeindearbeit, hohe Nachdenklichkeit bei moralischen Positionierungen und gehaltvolle Theologie", sagt der Vizepräsident.

Viele von Graf angesprochene Kritikpunkte werden Gundlach zufolge auch von anderen in der Kirche gesehen. So werde etwa der Pfarrerberuf in dem EKD-Reformpapier "Kirche der Freiheit" als Schlüsselberuf beschrieben. Mit der "larmoyant wirkenden Tonlage", in der Graf über Kirche und Theologie schreibe, werde er kein Gehör finden, sagt Gundlach voraus. Kritische Debatten hätten noch keiner Institution geschadet, "Verrisse aber sind wirkungslos".

Zuvor hatte bereits die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr auf das neue Buch des Münchner Theologieprofessors Graf reagiert, in dem er die Gründe für die Vertrauenskrise der Kirchen thematisiert.
Vertrauen hätten Kirchenbehörden und akademische Theologen gemeinsam und wechselseitig verspielt, schreibt Bahr in der "Zeit"-Beilage "Christ&Welt".

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24.2.11