Diakonie begrüßt Aufstockung des Bildungspakets bei Hartz-IV-Einigung

Nachricht 21. Februar 2011

„Es ist absolut notwendig, dass wir mehr in die Bildung von Kindern aus einkommensschwachen Familien investieren. Denn es geht um ihre Chancen, selbstbestimmt und mit den gleichen Möglichkeiten in die Zukunft zu gehen.“ Mit diesen Worten begrüßte Christoph Künkel, Direktor des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche die nächtliche Einigung im Hartz-IV-Streit. Im vorgesehenen Bildungspaket sollen die etwa 2,5 Millionen Kinder aus Geringverdienerfamilien Zuschüsse zu Schulessen, angeleitete außerschulische Aktivitäten (z.B. Musikschule, Sportverein) und Lernförderung erhalten, zudem sollen bundesweit etwa 3000 neue Schulsozialarbeiterstellen geschaffen werden

„Wir haben immer betont, dass wir uns in der Frage der Bildungsgerechtigkeit engagieren werden“, so Künkel. Das Diakonische Werk Hannover plant aktuell, in Zusammenarbeit mit der Caritas in einem Landkreis ein Pilotprojekt aufzulegen, das eine Bildungs-Chipkarte nach dem Stuttgarter Modell für alle Kinder einrichtet. „Wichtig ist uns, eine Stigmatisierung von Kindern aus armen Familien zu vermeiden und deren Möglichkeiten der Teilhabe an Kultur, Sport und Bildung deutlich zu erhöhen. Wir sind gespannt, welche Erfahrungen wir mit einer solchen Karte in einem ländlichen Raum machen werden“, betont Künkel.

Enttäuscht zeigte sich Künkel bei der Erhöhung des Regelsatzes für Hartz IV um lediglich acht Euro. „Die Diakonie hat in 2010 eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben, die nachweist, dass der Regelsatz deutlich höher anzusetzen ist. Von daher ist es zu wenig, mit jetzt fünf und im nächsten Jahr mit 3 Euro nachzulegen. In unseren Beratungsstellen spüren wir deutlich, wie besonders arme Familien und Alleinerziehende große Schwierigkeiten haben, mit den Regelsätzen die notwendigen Anschaffungen zu tätigen.“

Die Festlegung eines Mindestlohns für 1,2 Millionen Arbeitnehmer vor allem in Leih- und Zeitarbeit wertete Künkel als notwendigen Schritt, um Menschen an der Armutsgrenze eine finanzielle Grundsicherung durch die eigene Arbeit zu verschaffen. Ebenso begrüßte es Künkel, die Kommunen durch Verlagerung der Grundsicherung im Alter auf den Bund zu entlasten.

Das Diakonische Werk des Landeskirche Hannovers hat 432 Mitgliedseinrichtungen mit über 3.000 Einrichtungen und Diensten. Darunter sind 331 Angebote der offenen sozialen Arbeit mit 65 allgemeinen und 43 Schuldnerberatungsstellen. Etwa 40.000 Menschen sind in der hannoverschen Diakonie beschäftigt, mehr als 20.000 engagieren sich ehrenamtlich.


i.V. Sven Quittkat
Pastor, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
diakonische Theologie im Diakonischen Werk
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e.V.
www.diakonie-hannovers.de