Hannoversche Landeskirche startet Theaterprojekt gegen Jugendgewalt

Nachricht 18. Februar 2011

Hannover (epd). Fremdenhass, Vorurteile sowie virtuelle und reale Gewalt sind das Thema eines Schultheaterprojekts der hannoverschen Landeskirche. "Schüler hören immer weniger auf ihre Lehrer, vor allem wenn sie in sich verhärtet sind", sagte der Schuldirektor der Integrierten Gesamtschule Vahrenheide-Sahlkamp in Hannover, Wilm Janssen, in dessen Schule das Stück am Freitag Premiere hatte. Es daher nötig, nach neuen kreativen Wegen zu suchen, um die Schüler zu erreichen.

"Feindberührung 2.0" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landeskirche und des "Theaters in der List" in Hannover. Es kann von Schulen und Kirchengemeinden in ganz Niedersachsen gebucht werden.

Das Stück handelt von dem Schüler Ben, der beim Tragen einer Waffe erwischt und daraufhin von der Schulleitung bestraft wird. Beim Ableisten seiner Sozialstunden trifft er auf den bosnischen Hausmeister Baris. Diese Begegnung ist von Vorurteilen und Aggressionen geprägt. Baris hat in seiner Heimat bei einem Massaker seine Familie verloren und einige Angreifer erschossen. Ben dagegen will sich an einem Mann rächen, der ihm ein Auge ausgestochen hat. Doch am Ende sagt er: "Es gibt einen anderen Weg."

Der Friedensbeauftragte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Pastor Klaus Burckhardt, sagte, Erwachsene hätten häufiger Vorurteile und seien in ihren Gedanken festgefahren. Jugendliche seien hingegen noch offener: "Selbst wenn sie Vorurteile haben, ist es noch möglich, sie mit einem Theaterstück zu berühren. Und wenn uns das gelingt, haben wir unser Ziel erreicht."

In dem Stadtteil hatte im Sommer eine Steinwurfattacke auf eine jüdische Tanzgruppe für Schlagzeilen gesorgt. Ein 15-jähriger deutscher Jugendlicher wurde unter anderem deshalb in der vergangenen Woche zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Gemeinsam mit arabischstämmigen Kindern hatte er sich bei einem Kulturfest an dem Angriff auf die Gruppe beteiligt. Das Gericht wertete den Steinwurf als versuchte gefährliche Körperverletzung.

Das von Willi Schlüter und Tim von Kietzell verfasste Stück richtet sich an Jugendliche ab der 8. Klasse. Es baut auf bestehenden Projekten der evangelischen Landeskirche wie "Schritte gegen Tritte" oder "Gib dem Hass keine Chance!" auf.

Internet: www.feindberuehrung-zweipunktnull.de

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18.2.11