Erster Neubau einer liberalen Synagoge in Deutschland wird in Hameln eingeweiht

Nachricht 18. Februar 2011

Hameln (epd). Der erste Neubau einer liberalen Synagoge in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wird an diesem Sonntag in Hameln eingeweiht. Zu der Feier werden nach Angaben der Jüdischen Gemeinde Hameln der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU), der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, und der Europa-Präsident der Weltunion für progressives Judentum, Leslie Bergmann, erwartet. "Durch unermüdliches Engagement vieler Menschen wird dieser Traum nun wahr", sagte Gemeindevorsitzende Rachel Dohme dem epd.

Das neue Gemeindezentrum wird genau am Standort der früheren Synagoge entstehen. Sie war in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört und wenig später auf Kosten der damaligen jüdischen Gemeinde abgerissen worden.

An den Kosten von rund einer Million Euro beteiligen sich die Stadt Hameln und der Landkreis Hameln-Pyrmont mit einem Drittel. Ein weiteres Drittel kommt vom Land Niedersachsen. Den Rest bringt die "Stiftung Liberale Synagoge Hameln" aus Spenden und Darlehen auf. Mehrere Firmen beteiligen sich mit Sachspenden an der Innenausstattung. Durch Spenden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hameln und aus New York erhält die Gemeinde unter anderem eine historische Tora-Rolle mit den fünf Büchern Mose.

Bei den Ausschachtungsarbeiten für den Neubau fanden sich in dem mit Bauschutt aufgefüllten Keller der alten Synagoge noch zerschmolzene Glasscherben und Bleieinfassungen der bunten Fenster, Reste von weißem Geschirr und von Asche verfärbte Dachziegel. Sie sollen im Hamelner Museum ausgestellt werden.

Zur liberalen Jüdischen Gemeinde Hameln gehören heute rund 200 Gemeindemitglieder, vor allem Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie wurde 1997 gegründet und feierte ihre Gottesdienste bislang in provisorisch eingerichteten Räumen. Im liberalen Judentum sind Frauen den Männern religiös gleichgestellt.

Internet: www.jghreform.org

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