Unterstützer starten Briefaktion gegen Abschiebung von Sinti und Roma

Nachricht 17. Februar 2011

Rotenburg/Kr. Wümme (epd). Mit Briefen an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wollen Flüchtlingsunterstützer die Abschiebung unter anderem von zwei Roma-Frauen aus Rotenburg bei Bremen in das Kosovo verhindern. Gegen eine Rückführung von Sinti und Roma spreche, dass viele der Betroffenen 20 Jahre nach ihrer Flucht in Deutschland heimisch geworden seien. "Ihre Lebens- und in manchem Fall sogar Überlebensperspektive im Kosovo ist ungewiss. Auf sie wartet ein Leben mit Diskriminierung und in absoluter Armut", heißt es in dem Briefentwurf.

Die gesundheitlich schwer angeschlagenen Roma-Frauen Dulja Saiti (70) und ihre Tochter Selvije Ernst (50) leben im Kirchenasyl der evangelischen Auferstehungsgemeinde Rotenburg. Sie sind dort mit einer kurzen Unterbrechung seit April vergangenen Jahres. Das zuständige Bundesamt lehnt ein Bleiberecht für sie ab. Die Vorsitzende der niedersächsischen Härtefallkommission, Martina Schaffer, will dem Gremium die Fälle aus formalen Gründen gar nicht erst vorlegen. Die Behörden erwarten von den Frauen eine freiwillige Ausreise. Derzeit läuft eine Klage auf Feststellung von Abschiebehindernissen vor dem Verwaltungsgericht in Stade.

In dem Brief an den Bundesinnenminister heißt es weiter, besonders erschütternd sei der Umgang Deutschlands mit Roma und Sinti: "Mit Angehörigen eines Volkes, das während des Dritten Reiches zusammen mit den Juden tödlicher Verfolgung ausgesetzt war." Die Absender aus dem Landkreis Rotenburg bitten de Maizière, eine Regelung zu finden, "die es den hier lebenden Sinti und Roma ermöglicht, in unserer Mitte ein Leben in Sicherheit und Würde zu führen".

Gemeindepastor Werner Hagedorn hofft darauf, dass möglichst viele Menschen aus ganz Deutschland in diesem Sinne an de Maizière schreiben. Ein Mitglied des Kirchenasyl-Unterstützerkreises habe sich bereits an Bundespräsident Christian Wulff gewandt, der das Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages weitergeleitet habe. Hagedorn: "Auch Schreiben kann etwas bewegen und Menschen in Gang setzen."

Bundesweit haben Kirchen und Flüchtlingsorganisationen mehrfach an den Bundesinnenminister appelliert, die Abschiebungen in das Kosovo einzustellen und eine Bleiberechtslösung für langjährig Geduldete in Betracht zu ziehen. In Deutschland leben nach Angaben der Bundesregierung derzeit rund 14.000 ausreisepflichtige Menschen aus dem Kosovo, darunter fast 10.000 Roma. Ein Großteil lebt seit über zehn Jahren in Deutschland.

Internet: www.kirche-rotenburg.de

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