ÖRK-Generalsekretär: Ruf zur Einheit gilt im Glauben wie im praktischen Engagement

Nachricht 17. Februar 2011

„Theologische Reflexion findet immer in Gottes verwundbarer Welt und inmitten der Freuden und Leiden normaler Menschen statt“, erklärte Pastor Dr. Olav Fykse Tveit in seinem Bericht an den Zentralausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) während seiner ersten Zentralausschusstagung als Generalsekretär.

Tveit wurde vom Zentralausschuss auf dessen letzter Tagung im Sommer 2009 gewählt und trat sein Amt Anfang 2010 an.

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres, erklärte er, haben seine Überzeugung gestärkt, dass die Kirchen dazu berufen seien, „eins zu sein“ – in ihrem Glauben, aber auch in ihrem praktischen Engagement für einen gerechten Frieden, der die Würde aller wahrt. „Wir sind aufgerufen, an die Mächtigen heranzutreten“, so Tveit, und die politischen Führungspersönlichkeiten der Welt aufzufordern „die Schreie nach Gerechtigkeit und einer besseren gemeinsamen Zukunft“ anzuhören.

Der ÖRK sei sowohl „eine globale, ökumenische Gemeinschaft von Kirchen [...], deren Mitglieder einander verpflichtet sind und sich gegenseitig Rechenschaft ablegen“, als auch eine „Organisation [...], die gegründet wurde, um konziliare Beziehungen zwischen den Mitgliedskirchen herzustellen und ihre Zusammenarbeit zu fördern“.
Der ÖRK verbindet geistliche Gemeinschaft und praktische Strukturen, indem er „Ergebnisse dank verbesserter Beziehungen erreichen [will]“ und indem „wir beieinander bleiben, damit wir gemeinsam handeln können“, so Tveit.

Zu den Bereichen, die dem ÖRK, seinen Mitgliedskirchen und anderen Partnern laut Tveit besonders am Herzen liegen, gehören interreligiöse Beziehungen und interreligiöser Dialog sowie die Kirchen und die Menschen im Nahen Osten, insbesondere in Jerusalem und im Heiligen Land.

Des Weiteren nannte er den Dienst und die Entwicklungsarbeit, die der ÖRK gemeinsam mit dem neuen ACT-Bündnis durchführt, die Förderung der Gemeinschaft von Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft, Veränderungen in der Kirche und der Welt, die eine neue „ökumenische Landschaft“ schaffen, und schließlich die Anliegen der Gerechtigkeit und des Friedens.

Gerechtigkeit und Frieden bilden auch einen Schwerpunkt der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK), die im Mai 2011 in Kingston, Jamaika, stattfinden wird.

Tveit beendete seinen formellen Bericht mit Worten des Dankes an den ÖRK-Zentralausschuss für dessen Unterstützung. „Das letzte Jahr war für mich das arbeitsreichste, intensivste und gesegnetste Jahr meines Lebens“, erklärte er.

„Besonders inspiriert haben mich die Begegnungen und die Zusammenarbeit mit jungen Menschen – Sie sind die Zukunft und die Bausteine der ökumenischen Bewegung. Ihre Beteiligung ist immer sehr inspirierend und ich weiß Ihre Beiträge zu Gegenwart und Zukunft der ökumenischen Bewegung sehr zu schätzen. Möge Gott uns allen weiterhin Kraft und Freude in dieser Arbeit und in dieser Gemeinschaft schenken!“, schloss er.

Bei seiner Antwort auf die Fragen und Kommentare des Zentralausschusses erkannte Tveit an, dass viele Kirchen sich größere Fortschritte auf dem Weg zur Einheit wünschen – unter anderem darin, eine eucharistische Gemeinschaft zu bilden, die Christen aller Traditionen erlauben würde, das Sakrament des heiligen Abendmahls gemeinsam zu feiern. Er betonte zudem, wie wichtig es sei, einen „strategischen Konsens“ unter den Kirchen zu erreichen, damit „wir unsere gemeinsame Stimme finden können“.

-> Weitere Informationen zur Tagung des Zentralausschusses