Telefonseelsorge im mittleren Niedersachsen wird 50 Jahre alt

Nachricht 11. Februar 2011

Hannover (epd). Die Telefonseelsorge im mittleren Niedersachsen hat am Freitag in Hannover ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Seit ihrer Gründung 1961 hätten die Mitarbeiter rund 500.000 Gespräche geführt, sagte ihr Leiter Pastor Christian Voigtmann: "Wir haben versucht, gute und hilfreiche Zuhörende und Redende zu sein." Bei der Zentrale in Hannover landen Anrufe aus mehreren umliegenden Landkreisen. Im vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl der Anrufer laut Voigtmann um rund 1.000 auf mehr als 20.000 gestiegen.

"In den 50 Jahren war die Telefonseelsorge immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen", erläuterte der Leiter. Während in der Anfangszeit Arbeitslosigkeit kein Thema gewesen sei, spielten heute die Angst um dem Arbeitsplatz, Probleme in der Schule oder Burn-out und Depressionen durch Arbeitsbelastungen eine Rolle. Jeder dritte Anrufer wende sich wegen psychischer und körperlicher Krankheit an die Telefonseelsorger. Auch Probleme in der Familie, Ehe und Partnerschaft bedrückten viele Menschen.

Die Telefonseelsorge wird in Hannover vom evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband getragen. Sie ist eine von bundesweit rund 100 Seelsorgestellen in kirchlicher Trägerschaft, die unter der kostenlosen Nummer 0800/111011 zu erreichen sind. In Hannover sind zwei hauptamtliche Mitarbeiter in Voll- und Teilzeitstelle und mehr als 110 Ehrenamtliche tätig, von denen 20 noch in der Ausbildung sind.

Im Festgottesdienst verglich Hannovers Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann die Situation vieler Anrufer mit der biblischen Geschichte von Petrus, der im Wasser zu versinken droht und von Jesus gerettet wird. "Wenn es wütet und uns hinunterzieht, dann sinken wir." Dann brauche jeder Mensch "ein Gefährt in rauer See und Gefährten, mit denen ich diese Welt teile".

Der stellvertretende Landesbischof Hans-Hermann Jantzen schrieb in einem Grußwort, die Telefonseelsorge sei ein "oft lebenswichtiges Angebot" mit niedriger Zugangsschwelle. Leiter Voigtmann mahnte, die Kirche brauche bei allem Kürzungen ein waches Bewusstsein dafür, dass Beratungsarbeit zu den Grundpfeilern der Kirche gehöre.

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11.2.11