Landeskirche will sich in Diskussion um Massentierhaltung einschalten

Nachricht 09. Februar 2011

epd-Gespräch: Karen Miether

Hannover (epd). In die Diskussion um Massentierhaltung will sich auch die hannoversche Landeskirche einschalten. Die Landessynode arbeite an einer Stellungnahme zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung, sagte der Umweltreferent der Landeskirche, Reinhard Benhöfer, am Mittwoch im epd-Gespräch. Voraussichtlich im Mai stehe das Thema bei der Tagung des Kirchenparlaments auf der Tagesordnung. Hintergrund sei eine Anfrage der evangelischen Kirchengemeinde Wietze bei Celle. Dort wird um den Bau eines Großschlachthofes für Geflügel und die Ansiedlung von Mastställen gestritten.

"Dabei geht es um soziale Fragen etwa nach Arbeitsplätzen, um tierethische Fragen und um ganz gravierende Umweltfragen", sagte Benhöfer. "Die Kirchengemeinde ist um eine Stellungnahme gebeten worden, und das komplexe Thema ist für einen Kirchenvorstand schwer aufzuarbeiten." Benhöfer berät die Synode gemeinsam mit dem Umweltbeauftragten der Landeskirche und dem Landwirtschaftspastor.

Unter anderem müsse nach der sozialen Lage der Landwirtsfamilien gefragt werden, sagte er. "Außerdem hat die Tierhaltung sehr große Auswirkungen auf den Klimawandel." So schätze etwa die Welternährungsorganisation FAO, dass 18 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase auf die Nutztierhaltung zurückgingen. Das Worldwatch Institut spreche sogar von 51 Prozent.

Weltweit müssten Folgen abgeschätzt werden, fügte Benhöfer hinzu. So äßen die Deutschen vor allem Brust und Schenkel vom Geflügel. Der Rest werde zu Spottpreise in arme Länder exportiert. Dort zerstöre dieser Handel die heimische Wirtschaft. Oft werde die Kühlkette unterbrochen, und in Ländern Westafrikas komme teilweise mit Salmonellen verseuchtes Fleisch auf die Märkte.

Benhöfer warb für eine Aufklärung der Verbraucher, die zum Beispiel weniger Fleisch essen und bereit sein sollten, einen höheren Preis zu bezahlen. Die Nachfrage allein könne jedoch die Marktstrukturen nicht verändern, sagte er. "Wir brauchen über Verordnungen und Regeln auch politische Akzentverschiebungen zum Beispiel in der Agrarpolitik der EU." So sollten gezielt Leistungen für die Umwelt gefördert werden.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
9.2.11