Jugendlicher nach Steinwürfen auf Juden zu Bewährungsstrafe verurteilt

Nachricht 07. Februar 2011

Hannover (epd). Unter anderem wegen eines Steinwurfs auf eine jüdische Tanzgruppe ist ein 15-jähriger deutscher Jugendlicher am Montag vom Amtsgericht Hannover zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Gemeinsam mit arabischstämmigen Kindern hatte er sich im Juni bei einem Kulturfest in Hannover an einem Angriff auf die Gruppe beteiligt. Das Gericht wertete den Steinwurf als versuchte gefährliche Körperverletzung, sagte Richter Michael Siegfried dem epd (Az 317 Ls 111/10).



Es befand ihn zudem in anderen Fällen wegen räuberischer Erpressung, Diebstahl und Hehlerei für schuldig. Der Jugendliche selbst habe bestritten, mit Steinen auf die Tanzgruppe geworfen zu haben, sagte Siegfried. Durch Zeugenaussagen habe ihm jedoch zumindest ein Wurf nachgewiesen werden können. Allerdings konnte ihm nicht bewiesen werden, dass der Stein auch wirklich traf.



In der Verhandlung hätten sich im Fall des Jugendlichen, der zur Tatzeit 14 Jahre alt war, keinerlei Anhaltspunkte für rassistische oder antisemitische Hintergründe ergeben, betonte Siegfried. Zunächst hätten mehrere strafunmündige Kinder unter 14 Jahren Steine auf die Gruppe geworfen, der Jugendliche habe sich dann angeschlossen. Ein 19-Jähriger, der sich ebenfalls beteiligt haben soll, ist geistig behindert und wurde deshalb nicht angeklagt.



Bei den Steinwürfen war eine Tänzerin am Bein verletzt worden. Der Auftritt der Gruppe wurde daraufhin abgebrochen. Der Vorfall sorgte bundesweit für Empörung. Jüdische und islamische Verbände sowie Kirchen und Politiker verurteilten ihn scharf.



Die Bewährungsfrist für den verurteilten Jugendlichen beträgt drei Jahre. Ihm wurde ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Er muss fünf Tage gemeinnützige Arbeit leisten und sechs Monate lang einmal pro Woche an einen Anti-Agressionstraining teilnehmen.



Bei dem Kulturfest hatten überwiegend muslimische Kinder und Jugendliche Kieselsteine auf die Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover geworfen und judenfeindliche Parolen gerufen. Die Tanzgruppe besteht zum großen Teil aus Zuwanderern aus der früheren Sowjetunion. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise darauf, dass Erwachsene die Kinder angestiftet haben.



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7.2.2011