EKD-Friedensbeauftragter kritisiert neues Afghanistan-Mandat - EKD-Militärbischof begrüßt dagegen Perspektive für Bundeswehrabzug

Nachricht 30. Januar 2011

Berlin/Bremen (epd). Der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms hat das neue Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kritisiert. Konkrete Schritte zum Abzug fehlten, sagte der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche am Freitag dem epd. "Damit bleibt es ein schwammiges Mandat." Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann begrüßte dagegen die vom Bundestag beschlossene Mandatsverlängerung als "Schritt in die richtige Richtung". Dieses Mandat habe sehr viel deutlicher als die vorherigen die Beendigung des Militäreinsatzes im Blick, sagte Dutzmann am Freitag in Detmold.

Brahms verfolgte als Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Debatte im Bundestag in Berlin. Die Abgeordneten sprachen sich am Freitag mit 420 Stimmen mehrheitlich für ein weiteres Bundeswehr-Jahr am Hindukusch aus. 116 Parlamentarier waren dagegen, 43 enthielten sich. Nach neunjährigem Einsatz ist in dem neuen Mandat, das bis Ende Januar 2012 gültig ist, erstmals eine Abzugsperspektive für die deutschen Truppen umrissen. Danach sollen die ersten Soldaten Ende dieses Jahres nach Deutschland zurückkehren, wenn es die Lage erlaubt.

Brahms ist das nicht genug. Er vermisst weitere "klare Schritte" für ein Ende des Einsatzes. Es müsse möglichst schnell zu einem Ende der Kämpfe kommen. "Alle Kampfhandlungen, um die Taliban zu vertreiben, bergen immer die Gefahr, dass der Konflikt weiter verschärft wird." Der Friedensbeauftragte begrüßte, dass laut Mandatstext der zivile Aufbau ausgebaut werden soll.

Militärbischof Dutzmann sagte, für den Zusammenhang von zivilem und militärischem Engagement hätte er sich deutlichere Aussagen gewünscht. Es sei zwar auch in einem Absatz von den zivilen Mitteln für den Wiederaufbau die Rede, führte der Militärbischof aus, der im Hauptamt Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche ist. Die Passage bleibe jedoch ziemlich vage. So vermisse er beispielsweise Aussagen darüber, in welchen Provinzen das geschehen solle. Die Anregung der Kirche, dass der zivile Teil des Engagements vom Bundestag mitbeschlossen werden solle, sei nur ansatzweise umgesetzt worden.

Für die Seelsorge an den Soldaten erwartet Dutzmann durch die Mandatsverlängerung keine Veränderungen. "Ich gehe davon aus, dass die Anforderungen an uns gleich bleiben werden", sagte der Theologe. Positiv wertete Dutzmann die Debatte über das Afghanistanmandat. "Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion über den Auftrag der Bundeswehr deutlich intensiver ist als in früheren Jahren, und das halte ich für richtig."

Zusammen mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider brechen Brahms und Dutzmann demnächst zu einer "Pastoralreise" nach Afghanistan auf. Sie wollen mit Soldaten und mit zivilen Aufbauhelfern sprechen.

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29.1.11