Roma-Frauen flüchten sich erneut ins Kirchenasyl - Unterstützer hoffen auf neues Gespräch

Nachricht 28. Januar 2011

Rotenburg/Hannover (epd). Zwei gesundheitlich schwer angeschlagene Roma-Frauen aus Rotenburg haben sich erneut ins Kirchenasyl geflüchtet, nachdem das zuständige Bundesamt ihren Wunsch auf ein Bleiberecht wiederholt abgelehnt hat. Die niedersächsische Härtefallkommission will ihren Antrag aus formalen Gründen gar nicht erst annehmen. Die Frauen hätten sich ihrem Abschiebetermin durch das Kirchenasyl entzogen, begründete am Freitag die Vorsitzende Martina Schaffer gegenüber dem epd diese Entscheidung.

Kirchenvertreter hoffen nun auf eine humanitäre Lösung nach einem Gespräch unter anderem mit Vertretern des Landtages am nächsten Dienstag in Hannover. Daran ist die Härtefallkommission aber Schaffer zufolge nicht beteiligt. Der Stader evangelische Regionalbischof Hans Christian Brandy bedauerte, dass sich die Kommission nicht mit dem Fall befasst. "Das ist ein Härtefall", ist der Landessuperintendent überzeugt, der sich kürzlich vermittelnd in den Konflikt eingeschaltet hatte.

Die Roma-Frauen Dulja Saiti (70) und ihre Tochter Selvije Ernst (50) sind seit etwa 20 Jahren in Deutschland, sollen aber nach Serbien abgeschoben werden, wo sie nie gelebt haben. Vergangenes Jahr verbrachten sie wegen der drohenden Abschiebung bereits mehrere Monate im Kirchenasyl der evangelischen Auferstehungsgemeinde Rotenburg.

Ein medizinisches Gutachten des Rotenburger Psychiatrie-Professors Andreas Thiel verwies im November unter anderem auf eine schwere Traumatisierung der Frauen. Doch die Expertise konnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht überzeugen. "Wir sind geplättet und ratlos", sagte Gemeindepastor Werner Hagedorn. Das Bundesamt argumentiere, die Frauen könnten sich doch gegenseitig stützen.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte die Härtefallkommission aus rein formalen Gründen abgelehnt, das Schicksal der Rotenburger Roma überhaupt zu diskutieren. Nach dem medizinischen Gutachten und auf Bitten des Landessuperintendenten hatte der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann (CDU) zwischenzeitlich eine Duldung ausgesprochen.

Die Frauen konnten über Weihnachten das Gemeindezentrum verlassen. "Das war für sie eine bescheidene Freiheit", sagte Hagedorn. Nun sind sie wieder in der Auferstehungskirche. Der Landrat setzt auf eine freiwillige Ausreise.

Internet: www.kirche-rotenburg.de

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