Mazyek: Gemeinsam mit Muslimen gegen den Terror vorgehen

Nachricht 28. Januar 2011

Hannover (epd). Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat gefordert, die Muslime in den Kampf gegen den Terrorismus miteinzubeziehen. "Die Muslime sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung", sagte er am Donnerstagabend bei der Aufzeichnung der evangelischen Fernseh-Talkshow "Tacheles" in der Marktkirche in Hannover: "Lasst uns gemeinsam mit den Muslimen gegen den Terror vorgehen." In Deutschland leben rund vier Millionen Muslime.

Die große Mehrheit von ihnen sei gut integriert und grenze sich klar gegen Hassprediger und Gewalttäter ab, sagte Mazyek. Extremisten seien eine kleine Minderheit. Das Eintreten für die demokratischen Grundrechte sei geradezu eine Pflicht für gläubige Muslime. Mazyek wandte sich zugleich dagegen, Religion zu politisieren und umgekehrt Politik religiös aufzuladen. So sei der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Kern ein politisches Problem: "Wir dürfen ihn nicht jüdisch oder muslimisch ummänteln."

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) warnte davor, extremistische Islamisten zu unterschätzen. So habe die radikal-islamische Bewegung der Salafisten in Deutschland rund 2.300 Anhänger. Die Polizei rechne mit rund 130 "Gefährdern". Psychisch labile junge Muslime seien ansprechbar für deren Ziele und Botschaften. Abgeschottete Parallelgesellschaften bildeten den Nährboden dafür. "Diejenigen, die Gewalt anwenden, haben eine Perversion des Islam, und sie leben das auch", sagte Schünemann. Gegen sie erhoffe er sich auch Hinweise aus Moscheegemeinden: "Gegen Extremisten hilft nur eine konsequente Sicherheitspolitik."

Der braunschweigische evangelische Landesbischof Friedrich Weber rief die Christen zu mehr Kontakten mit Muslimen auf: "Wir brauchen ganz normale nachbarschaftliche Beziehungen." Diese fehlten in Deutschland seit Jahrzehnten. Wenn Menschen guten Willens aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften miteinander im Gespräch seien, fragten sie irgendwann nicht mehr nach Unterschieden, sondern nach Themen wie Frieden, Menschenwürde oder die Bewahrung der Schöpfung, betonte Weber: "Da gibt es ganz viele Überschneidungen zwischen Christen, Juden und Muslimen."

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, forderte einen "Marshallplan" für die arabischen Länder. "Die Völker dort sind frustriert", sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die USA durch den Marshallplan dem zerstörten Westeuropa wieder neuen Mut gegeben. Heute könne ein solcher Plan den islamischen Ländern helfen. "Wenn alle reichen Länder nur ein Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Dritte Welt geben würden, hätten die Menschen dort neue Hoffnung."

Die einstündige Debatte wird an diesem Sonntag um 17 Uhr sowie am 6. Februar um 13 und 22.30 Uhr auf Phoenix ausgestrahlt. Weber diskutiert nach der ersten Ausstrahlung mit Zuschauern im Chat.

Internet: www.tacheles.tv

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