Lutherische Delegation zieht positives Fazit nach Papst-Besuch

Nachricht 27. Januar 2011

Braunschweig/Hannover (epd). Der Catholica-Beauftragte der lutherischen Kirchen, Landesbischof Friedrich Weber, hat sich nach einem Treffen mit Papst Benedikt XVI. positiv über die Gesprächsbereitschaft des Vatikan geäußert. Ihn habe beeindruckt, dass der Papst um Vergebung für einander angetanes Unrecht und für die Schuld an den Spaltungen der Kirche bitte, sagte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig am Donnerstag dem epd.

Auch der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, berichtete von einer spürbaren Offenheit: "Wir haben Menschen kennengelernt, die ihr Amt in der katholischen Kirche mit viel Liebe und Hingabe ausüben."

Weber und de Vries gehörten zu einer Delegation der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands unter Leitung des bayerischen Landesbischofs Johannes Friedrich. Sie war unter anderem von Papst Benedikt zu einer Privataudienz empfangen worden.

Dabei sei auch über das Reformationsjubiläum 2017 gesprochen worden, sagte de Vries. Der Papst könne sich dieses wichtige Ereignis 500 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther (1483-1546) als internationales ökumenisches Gedenkjahr vorstellen. Die Delegation habe das Oberhaupt der katholischen Kirche als freundlich und zugewandt erlebt.

Weber sagte, das Reformationsjubiläum solle auch aus lutherischer Sicht keine Jubelfeier werden, sondern ökumenische Akzente setzen. Chancen zur Gemeinsamkeit sehe er vor allem im sozialen Engagement und im Gebet. In der Frage des gemeinsamen Abendmahles hätten beide Seiten dagegen noch einen langen Weg vor sich.

Als wichtiges Ergebnis der Gespräche nannten Weber und de Vries, dass der Vatikan seine Bereitschaft für weitere theologische Lehrgespräche zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und den Lutheranern signalisiert habe. Dabei solle auch das entscheidende Thema "Kirche und Amt" nicht ausgespart werden.

De Vries sagte, der Vatikan zeige "das beeindruckende Bild einer Weltkirche mit großen Inszenierungen". Dies entspreche aber in vielerlei Hinsicht nicht dem evangelischen Verständnis von Kirche und Gottesdienst.

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27.1.11