Schwule im Pfarrhaus: Verschiedene Regelungen in Niedersachsen

Nachricht 14. Januar 2011

Hannover/Braunschweig/Oldenburg (epd). Die Frage, ob homosexuelle Pastorinnen und Pastoren gemeinsam mit ihren Partnern im Pfarrhaus leben dürfen, ist in den evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen unterschiedlich geregelt. Während dies in den Landeskirchen von Hannover und Oldenburg grundsätzlich möglich ist, lehnt die braunschweigische Landeskirche eine solche Öffnung ab. In Bremen und der Evangelisch-reformierten Kirche gelten Einzelfallregelungen ergab eine epd-Umfrage von Mittwoch.



Am Dienstag hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erklärt, dass evangelische Pfarrhäuser für eingetragene schwule oder lesbische Lebenspartnerschaften nicht länger tabu seien. Die Kirche in Sachsen-Anhalt und Thüringen folgt damit einer Regelung aus Bayern.



In der hannoverschen Landeskirche sei Bedingung für das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare in einem Pfarrhaus, dass die Paare in eingetragener Lebensgemeinschaft lebten, sagte Kirchensprecher Johannes Neukirch. Außerdem müssen der Kirchenvorstand sowie Vertreter der Kirchenleitung einmütig zustimmen. "Genauso wie bei heterosexuellen Partnerschaften ist für uns wichtig, dass die Partnerschaften auf Verbindlichkeit, Dauer und Treue angelegt sind", betonte Neukirch. Die Zahl der eingetragenen Partnerschaften liege im einstelligen Bereich. Die Landeskirche Hannover umfasst drei Viertel Niedersachsens.



Die braunschweigische Landeskirche erlaubt ihren Pfarrerinnen und Pfarrern dagegen nicht das Zusammenleben mit gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus. Ein entsprechender Beschluss der Kirchenregierung aus dem Jahr 2008 sei weiterhin gültig, sagte Sprecher Michael Strauß. Er wies darauf hin, dass dem Landeskirchenamt kein Fall einer eingetragenen Lebenspartnerschaft von Pfarrern bekannt sei. Eingetragene Partnerschaften seien ein staatliches Recht, das die Kirche akzeptiere, betonte Strauß.



In der oldenburgischen Kirche werde die Fachkompetenz von Pfarrerinnen und Pfarrern nicht daran gemessen, ob sie in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, sagte Sprecher Dirk-Michael Grötzsch. Im jeweiligen Einvernehmen mit den Gemeindekirchenräten lebten in der oldenburgischen Kirche Theologen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zusammen mit ihren Lebenspartnern im Pfarrhaus.



In der schaumburg-lippischen Landeskirche gibt es bisher keinen Fall einer eingetragenen Partnerschaft von Pfarrern. Die Synode habe bisher auch noch nicht darüber debattiert, sagte Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Er wolle demnächst aber das Gespräch mit der Pfarrerschaft darüber suchen.



In der Evangelisch-reformierten Kirche gibt es in dieser Frage ebenfalls keine landeskirchlichen Richtlinien, sagte Kirchensprecher Ulf Preuß. "Ob gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus leben dürfen, liegt in der Entscheidungshoheit des jeweiligen Kirchenvorstandes."



Ebenso behandelt die Bremische Evangelische Kirche das Thema: "In unserer Kirche haben die Gemeinden die Lehr- Glaubens- und Gewissensfreiheit", betonte Sprecherin Sabine Hatscher. Darum entscheide der jeweilige Kirchenvorstand selbst. Dies könne aufgrund der Vielfalt der bremischen Gemeinden von Stadtteil zu Stadtteil verschieden ausfallen.



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