Präses Schneider fordert Reform des Sozialmarktes - Hannoverscher Diakonie-Direktor warnt vor scharfem Wettbewerb

Nachricht 14. Januar 2011

Bad Neuenahr/Hannover (epd). Nach den Berichten über Leiharbeitsverhältnisse in diakonischen Einrichtungen fordert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, Änderungen des Sozialmarktes. Es sei eine kritische Sicht auf Preis und Wettbewerb nötig, sagte Schneider, der früher auch Vorsitzender des Diakonischen Rates der EKD war, am Freitag in Bad Neuenahr. Auch der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel verwies gegenüber dem epd auf die schwierige Konkurrenzlage sozialer Unternehmen der Kirche.

Die großen Wohlfahrtsverbände geraten nach Schneiders Worten unter Druck, "weil sich alle möglichen Anbieter auf dem Sozialmarkt bewegen", die ihre Leistungen zu Dumpingpreisen anböten. Angesichts dieser Entwicklung sei es "schwer, mit ethischen Gesichtspunkten eine gewisse Marktmacht zu entfalten".

Schneider räumte ein, dass diakonische Unternehmen teilweise Beschäftigte ausgliedern, um Kosten zu senken. Dies geschehe aber "aus nackter Not und nicht, um sich die Taschen vollzumachen". Diakonische Unternehmen drohten sonst häufig pleitezugehen. Schneider wehrte sich gegen überzogene Vergleiche. "Die Diakonie ist weder Schlecker noch KiK", sagte der rheinische Präses mit Blick auf Praktiken der beiden Discounter.

Es müsse Grenzen des Preiskampfes bei sozialen Angeboten geben, wo für die Diakonie klar sein müsse: "Daran können wir uns nicht mehr beteiligen." Auch der hannoversche Diakoniechef Künkel verwies auf den harten Wettbewerb zwischen Wohlfahrtsverbänden und anderen Trägern, der dazu führe, dass diakonische Einrichtungen Beschäftigte ausgliederten. "Die Alternative wäre: Die Diakonie verabschiedet sich von diesen Arbeitsfeldern ganz." Oftmals zahle die Diakonie im Vergleich mit der Konkurrenz die höchsten Löhne.

Die Vizepräses der rheinischen Landeskirche, Petra Bosse-Huber, wies auf die Motivation diakonischer Unternehmen hin, denen es um Hilfe für Menschen aus Nächstenliebe gehe. Der inzwischen auch internationale Sozialmarkt mache es immer schwerer für die Diakonie, hier mitzumischen. "Wenn wir nur noch Gesetzen des Marktes gehorchen, wird es kein diakonisches Handeln mehr geben", warnte die Theologin.

Die Diakonie hatte am Mittwoch bestätigt, dass es Leiharbeitsverhältnisse in diakonischen Einrichtungen gibt. Zeitarbeiter würden für Arbeitsspitzen und zur Aushilfe beschäftigt. Dies sei aber in der Regel nicht zu beanstanden. Bundesweit arbeiten in den Einrichtungen der evangelischen Wohlfahrtspflege rund 435.000 Festangestellte. Damit ist die Diakonie einer der größten Arbeitgeber in Deutschland.

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