Koptische Christen trauern um Anschlagsopfer - EKD-Auslandsbischof mahnt Religionsfreiheit an

Nachricht 10. Januar 2011

Hannover/Höxter/Berlin (epd). Koptisch-orthodoxe Christen haben am Wochenende in ganz Deutschland der Opfer der Anschläge von Alexandria gedacht. In Trauergottesdiensten unter anderem in Frankfurt am Main, Berlin und im Kloster Brenkhausen bei Höxter (Nordrhein-Westfalen) beklagten Spitzenvertreter aus Kirche und Politik die weltweite Verfolgung von Christen. Am Wochenende forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Video-Botschaft die Verteidigung der Religionsfreiheit. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria waren in der Silvesternacht 23 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Die Hintergründe der Tat sind unklar.



Der hannoversche Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, erklärte am Sonntag im Kloster Brenkhausen bei Höxter: "Wir beten dafür und tun alles, was in unserer Macht steht, damit Christen im Nahen Osten, so auch in Ägypten, eine Zukunft und ein Zuhause als Bürger ihres Landes haben können." Schindehütte nannte die Vorstellung unerträglich, dass die in Deutschland lebenden Kopten in Zukunft ihre Gottesdienste nur noch unter Polizeischutz feiern könnten und Kirchen vor Beginn eines Gottesdienstes mit Spürhunden auf Sprengstoff durchsucht würden.



Auf der zentralen Trauerfeier am Sonnabend in Frankfurt dankte der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian (Höxter), der Bundesregierung und der Polizei für den Schutz der Gottesdienste während des koptischen Weihnachtsfestes am vergangenen Donnerstag und Freitag. Tief beeindruckt hätten ihn auch die Anteilnahme der Bevölkerung und die Solidarität anderer Konfessionen und Religionen. "Die Beileidsbekundungen waren Salbe auf eine brennende Wunde."



In einem Gottesdienst in Berlin sagte Bischof Damian am Sonntag, die Kopten seien keine Feinde der Muslime. Die christlichen Kirchen sollten "Botschafter des Friedens" sein. Es könne allerdings nicht sein, dass Menschen die Moscheen mit antichristlichen Parolen verließen. Es müsse eine Trennung von Islam und Gewalt geben.



Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge sagte, er beobachte "mit großer Sorge, dass Christen in aller Welt bedroht, eingeschüchtert, bedrängt und verfolgt werden." Geistliche aller Religionen müssten sich in Zukunft noch viel entschiedener als bisher für den Frieden zwischen den Religionen einsetzen, erklärte er am Sonntag in der koptischen Sankt-Antonius- und Sankt-Shenouda-Kirche in Berlin.



Der katholische Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hob bei der Feier in Frankfurt die Gemeinsamkeit aller Christen hervor. Im "Christus-Zeugnis" wisse sich die katholische Kirche in Deutschland mit der koptisch-orthodoxen Kirche in gleicher Weise verbunden wie mit den christlichen Konfessionen, "mit denen wir in unserem Land seit Jahrhunderten zusammenleben". Tebartz-van Elst warb für gegenseitige Achtung und Toleranz im Umgang der Religionen miteinander.



Am Wochenende hatte die Bundeskanzlerin zur weltweiten Verteidigung der Religionsfreiheit aufgerufen. Es sei "eines der großen Menschenrechte", dass Menschen ihre Religion frei leben können, erklärte die Kanzlerin am Sonnabend in ihrem wöchentlichen Video-Podcast im Internet mit Blick auf das Attentat im ägyptischen Alexandria. Nicht überall auf der Welt könnten Christen wirklich ungestört leben, beklagte die CDU-Politikerin. Deshalb sei es "unser Anliegen, Christen, aber auch anderen Religionen zu einem Leben in Freiheit zu verhelfen".



Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert seit dem ersten Jahrhundert nach Christus und gehört damit zu den ältesten Kirchen der Welt. Schätzungen zur Zahl ihrer Mitglieder schwanken zwischen acht und zwölf Millionen. Unter den rund 80 Millionen Ägyptern leben etwa zehn Prozent Christen. In Deutschland zählt die koptische Kirche etwa 6.000 Mitglieder. An ihrer Spitze steht seit 1995 Bischof Damian mit Amtssitz in Höxter-Brenkhausen.



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