Käßmann plädiert für politische Kirche

Nachricht 07. Januar 2011

Berlin/Hannover (epd). Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat sich für eine politisch engagierte Kirche ausgesprochen. Der Glaube trage "immer die vorrangige Option für die Armen im Gepäck", sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin laut Predigtmanuskript in einem Gottesdienst zum 175-jährigen Bestehen der Gossner-Mission am Donnerstag in Berlin. "Nur wer das ignoriert, kann behaupten, Theologie und Kirche dürften nicht politisch sein."

Aufgabe der Kirche sei, "klar und deutlich für Gerechtigkeit" einzutreten und die "Weitergabe des Evangeliums" mit dem Engagement für Menschen am Rand der Gesellschaft zu verbinden, betonte Käßmann. Dabei müsse dem "Glanz der Macht" und der Solidarisierung mit den Mächtigen widerstanden werden. Wem dies nicht gelinge, der finde sich "allzu leicht ab mit ungerechten Verhältnissen" und verliere den Mut zum offenen Wort.

Käßmann würdigte die Arbeit der Gossner-Mission als "Solidarität mit den Schwachen". Besonders im Hauptmissionsgebiet im Nordosten Indiens habe sich die Arbeit seit 1845 nicht auf die Verkündigung beschränkt, betonte die Theologin. Die Missionare seien vielmehr entschieden für die Rechte der indigenen Völker eingetreten und seien dabei auch Konflikten mit den Machthabern nicht aus dem Weg gegangen. "Es zeichnet die Gossner-Mission aus, dass sie diese Konfrontation nicht gescheut hat."

Die Gossner-Mission wurde im Dezember 1836 auf Initiative von fünf Handwerkern von dem evangelischen Pfarrer Johannes Evangelista Goßner (1773-1858) gegründet. Heute unterstützt das kleine Hilfswerk Entwicklungsprojekte in Indien, Nepal und Sambia.

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7.1.2011